Teure Gerichte, erschöpfte Mitarbeiter
Das Scheitern der Steuersenkung in der Gastronomie
Aktualisiert am 17.09.2026 – 12:26 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie sollte Gäste und Betriebe unterstützen – doch stattdessen steigen die Preise, und die Beschäftigten kämpfen mit immer schlechteren Bedingungen. Was ist schiefgelaufen?
Die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer für Speisen in Restaurants von 19 auf 7 Prozent sollte sowohl die Gäste entlasten als auch den Betrieben finanzielle Spielräume schaffen. Doch eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass dieses Ziel weitgehend verfehlt wurde.
Statt von sinkenden Preisen zu profitieren, mussten Verbraucherinnen und Verbraucher in vielen Fällen sogar mehr bezahlen. Gleichzeitig hat sich die Situation für die Beschäftigten in der Branche nicht verbessert – im Gegenteil, viele berichten von zunehmender Belastung und schlechten Arbeitsbedingungen. Gewerkschaften und Experten kritisieren die Maßnahme scharf und sprechen von einer verpassten Chance.
Warum wurde die Mehrwertsteuersenkung eingeführt?
Die Bundesregierung hatte die Steuersenkung Anfang 2026 beschlossen, um die Gastronomie nach den wirtschaftlichen Herausforderungen der vergangenen Jahre zu unterstützen. Die Maßnahme war eine langjährige Forderung der Branchenlobby und sollte den Betrieben helfen, gestiegene Kosten auszugleichen und gleichzeitig die Gäste finanziell zu entlasten.
Im Gesetzentwurf hieß es, die Steuerersparnis könne entweder direkt an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben oder für Investitionen genutzt werden. Rechnerisch hätten die Preise für Restaurantbesuche um rund zehn Prozent sinken können, wenn die Entlastung vollständig weitergegeben worden wäre.
Warum die Steuersubvention verpufft ist
Eine Studie des Beratungsunternehmens wmp consult im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zeigt jedoch ein ernüchterndes Bild. Bei mehr als 180.000 untersuchten Gerichten in über 12.000 Restaurants blieben 91 Prozent der Preise unverändert. Rund acht Prozent der Gerichte wurden sogar teurer, während nur ein Prozent günstiger wurde. Besonders häufig stiegen die Preise für Bowls, Schnitzel und Steaks. Im Durchschnitt erhöhten sich die Preise um 0,5 Prozent.
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Die NGG kritisiert, dass die Steuerentlastung nicht bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern angekommen ist. Viele Gastronomen hatten bereits vor der Einführung der Maßnahme angekündigt, die Einsparungen vor allem dazu zu nutzen, gestiegene Betriebskosten auszugleichen. Eine größere Auswertung durch den Datenspezialisten Meoton hatte bereits im März 2026 gezeigt, dass die Steuersenkung vor allem dazu beigetragen habe, weitere Preissteigerungen zu verhindern – echte Vergünstigungen blieben jedoch die Ausnahme.
Kritik der Gewerkschaft: Arbeitskräfte am Limit
Auch die Beschäftigten in der Gastronomie haben von der Steuersenkung nicht profitiert, sei es in Form von höheren Löhnen oder kürzeren Arbeitszeiten. Eine Befragung von mehr als 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Hotellerie sowie System- und Betriebsgastronomie, die zwischen Juni und Juli 2026 durchgeführt wurde, zeichnet ein düsteres Bild.