Alexa+ ist in Deutschland gestartet – mit Persönlichkeit und einem Preisschild. Die Amazon-Manager Rocco Bräuniger und Anika Sharma über die neue Sprachassistenz und den Streit mit deutschen Behörden.
„Alexa, wie wird das Wetter?“ Seit gut zehn Jahren stellen Millionen Menschen ihrer Sprachassistentin im Wohnzimmer Fragen wie diese. Doch was Amazon einst etabliert hat, wirkt mittlerweile veraltet. Während Alexa Timer stellt und Lampen ein- und ausschaltet, führen Menschen längst ganze Gespräche mit Chatbots wie ChatGPT, Claude oder Gemini.
Mit Alexa+ rüstet Amazon seine Sprachassistentin technisch auf. Die neue Generation soll natürlicher klingen, sich an Gesprächsverläufe erinnern und im Alltag mehr leisten, als nur einzelne Befehle abzuarbeiten.
Rocco Bräuniger ist Country Manager von Amazon in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Anika Sharma verantwortet als Country Manager Alexa Germany hierzulande das Geschäft mit dem Sprachassistenten. Im Gespräch mit t-online erklären sie, was Alexa+ kann, wie das Unternehmen mit der Bezos-Kritik umgeht und warum Bräuniger sich über deutsche Bürokratie ärgert.
t-online: Herr Bräuniger, wann hat Alexa Sie zuletzt genervt?
Rocco Bräuniger: Genervt war ich noch nie – aber überrascht. Wir testen zu Hause die neue Version von Alexa+ schon eine Weile im Zuge des internen Beta-Programms. Meine Kinder haben dabei festgestellt: Wenn sie beispielsweise Alexa gebeten haben, das Licht auszuschalten, kam nicht das gewohnte „Okay“, sondern ein Ton, als wolle sie uns sagen: Könnt ihr das nicht selbst machen? Dieses Erlebnis habe ich natürlich zurück ans Alexa-Team gespielt und sie haben das zügig angepasst. Denn wie sie sich vorstellen können, war das nicht die Art und Weise, wie eine persönliche Assistentin wie Alexa Kundinnen und Kunden antworten sollte.
Was Sie beschreiben, klingt weniger nach Sprachassistent und mehr nach Mitbewohner. Was kann die neue Alexa, was die alte nicht konnte?
Anika Sharma: Die ursprüngliche Alexa konnte einzelne Aufgaben erledigen: einen Timer stellen, Musik abspielen, das Smarthome steuern. Aber jede Anfrage stand für sich. Mit Alexa+ funktioniert das viel natürlicher. Sie merkt sich den Kontext eines Gesprächs, so wie wir uns unterhalten. Ich muss ihr nicht jedes Mal neu erklären, wer ich bin oder was ich mag. Ein Beispiel: Früher mussten Sie sagen „Schalte Ventilator eins an.“ Heute können Sie nach Hause kommen und sagen: „Es ist zu warm hier drin.“ Alexa weiß dann, welche Geräte im Raum stehen, ob Klimaanlage, Thermostat oder Lüfter, und regelt diese entsprechend. Ohne dass ich etwas erklären muss.
Zu den Personen
Rocco Bräuniger arbeitet seit 2006 bei Amazon und hat den Wandel vom Online-Buchhändler zum Tech-Konzern mitgestaltet. Er studierte Betriebswirtschaft in Bayreuth und Boston, seit Januar 2022 ist er Country Manager für den deutschsprachigen Raum. Anika Sharma leitet das Alexa-Geschäft in Deutschland und Österreich. Sie studierte an der Purdue University in den USA und war vor ihrer Zeit bei Amazon unter anderem Produktmanagerin beim Verlag für die Deutsche Wirtschaft.
Bei der klassischen Alexa wussten Nutzer, was sie bekommen: kurze Befehle, schnelle Reaktion. Alexa+ ist gesprächiger, aber auch spürbar langsamer. Ist das ein Problem?
Sharma: Kundinnen und Kunden erwarten, dass Alexa schnell auf ihre Anfrage reagiert. Aber selbstverständlich gibt es ein Spannungsfeld: Hinter den Kulissen passiert enorm viel, um die bestmögliche Antwort zu generieren. Bei einer einfachen Smarthome-Anweisung muss es beispielsweise schnell gehen. Eine komplexe Wissensfrage funktioniert anders. Im Hintergrund steckt nicht ein einzelnes Modell, sondern Alexa+ wählt aus über 70 verschiedenen Modellen das passende für die jeweilige Anfrage aus. Am Ende soll es sich so anfühlen, als würde ich mich mit einem Menschen unterhalten – und auch der denkt manchmal länger nach, je nachdem, wie komplex die Frage ist. Trotzdem arbeiten wir selbstverständlich daran, dass Alexa noch schneller antwortet.
