Leak aus Putins Propagandamaschine

Diese deutschen Politiker gelten Moskau als Komplizen


22.05.2026 – 13:45 UhrLesedauer: 3 Min.

Der Ex-Bundestagsabgeordnete Diether Dehm (l.) und der Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah: Sie tauchen in Unterlagen russischer Propaganda als mutmaßliche Helfer auf.

Vertrauliche Dokumente der russischen Propaganda rücken zwei prominente Deutsche in die Nähe von Mittätern. Standen sie dem Kreml tatsächlich zur Verfügung – oder gerieten sie unwissentlich in die Affäre?

Zwei deutsche Politiker sollen an Desinformationskampagnen für den russischen Staat beteiligt worden sein. Das geht aus internen Chats der russischen Social Design Agency (SDA) hervor, die t-online vorliegen. Die Agentur verantwortet im Auftrag der Präsidialadministration von Wladimir Putin verdeckte Propaganda in Deutschland und Europa. Für ihre Desinformation versucht sie, ohnehin reichweitenstarke Meinungsmacher als Multiplikatoren ihrer Inhalte zu nutzen. Damit will sie in der Regel AfD und BSW unterstützen.

Zwei von jenen, die sie dafür einplante, sind zwei prominente Deutsche: der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah, der zuvor für die Partei ein Mandat im Europaparlament hatte, sowie der ehemalige Linken-Bundestagsabgeordnete Diether Dehm. Beide werden explizit in den Dokumenten erwähnt. Krah bestreitet auf Anfrage von t-online, an Kampagnen für die Agentur mitgewirkt zu haben. Dehm reagierte auf eine Anfrage nicht.

Krah: „Habe mich nie einspannen lassen“

Krah sagte t-online: „Ich habe mich noch nie für irgendwelche russischen Kampagnen einspannen lassen. Es gab keine Abmachung – nicht mit Russland und nicht mit irgendwelchen Mittelsmännern.“ Seine Stellungnahmen seien Ausdruck seiner Überzeugung und nicht irgendwelcher Vorgaben. „Das klingt wie eine fabrizierte Geheimdienst-Ente.“

Dem Dementi gegenüber stehen die Chatverläufe aus dem Inneren der russischen Propagandaagentur in Moskau, die offenbar einige Wochen vor der Bundestagswahl im März 2025 entstanden sind: In ihnen hält ein Mitarbeiter der Agentur fest, welche Projekte geplant sind. Teil der Planungen waren demnach Krah und Dehm.

„Sonderauftrag“ für Krah?

Bezüglich Krah ist von einem „Sonderauftrag mit einem deutschen Artikel“ die Rede: „Eine Vereinbarung mit dem Key Opinion Maker (zu Deutsch: zentraler Meinungsmacher) wurde getroffen: er wird von Maximilian Krah (deutscher Europaabgeordneter, AfD) verfasst. Wir arbeiten an einer anderen Plattform als seinen Social-Media-Kanälen.“ Der Beitrag werde „definitiv in den Medien präsent sein“. Die Angelegenheit werde voraussichtlich in der nächsten Woche geklärt.

Das ist über die Textstelle hinaus bemerkenswert, da Krah noch im November 2024 heimlich nach Russland reiste, um Strippenzieher des Einflussnetzwerks des Oligarchen Viktor Medwedtschuk zu treffen. Dem Netzwerk werden Bestechungszahlungen an europäische Politiker zugeschrieben – auch über das vermeintliche Medienportal „Voice of Europe“, dem Krah ein Interview gab. Ermittler durchsuchten im Zuge der Untersuchungen Wohnung und Büro seines ehemaligen Assistenten. Medwedtschuks Bewegung „Eine andere Ukraine“ wurde ebenfalls lange von der Social Design Agency unterstützt.

Die AfD-Abgeordneten Krah (l.) und Petr Bystron (r.) mit Oligarch Viktor Medwedtschuk (M.): Ihre Nähe zu seinem Einflussnetzwerk interessiert auch Ermittler. (Quelle: privat)
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