Neue Daten
Diese Gefäßveränderung im Hirn kommt häufiger vor als gedacht
15.09.2026 – 17:26 UhrLesedauer: 3 Min.
Hirnaneurysmen treten heute offenbar deutlich häufiger auf als früher. Eine große Metaanalyse zeigt: Die Zahl hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt.
Ein Hirnaneurysma ist eine kleine Aussackung an einer Schlagader (Arterie) im Gehirn. Meist verursacht es keine Beschwerden und wird daher oft nur zufällig bei einer Untersuchung entdeckt. Gefährlich kann ein Aneurysma werden, wenn die Gefäßwand reißt und es zu einer Hirnblutung kommt.
Wie verbreitet die unentdeckten Gefäßveränderungen tatsächlich sind, hat nun ein Forschungsteam unter Federführung der Universitätsmedizin Mannheim untersucht. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „The Lancet Neurology“.
Deutlich mehr Aneurysmen nachgewiesen
Für die bislang umfangreichste Metaanalyse zu diesem Thema weltweit wertete das Team 162 Studien aus sieben Jahrzehnten aus. Insgesamt flossen Daten von 316.131 Menschen ein, bei 11.822 von ihnen wurde ein nicht geplatztes Hirnaneurysma festgestellt.
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Besonders aufschlussreich waren Untersuchungen an gesunden Erwachsenen, bei denen moderne Verfahren zur Gefäßdarstellung (wie die CT- oder MR-Angiografie) zum Einsatz kamen: Demnach stieg der Anteil der Menschen mit einem Hirnaneurysma von 2,9 Prozent in den Jahren 2002 bis 2015 auf 6,6 Prozent zwischen 2016 und 2022. Rechnerisch wäre damit heute etwa einer von 15 gesunden Erwachsenen betroffen.
Die Analyse zeigt außerdem deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen hatten mit 5,5 Prozent fast doppelt so oft ein Aneurysma wie Männer mit 3,0 Prozent. Warum Frauen häufiger betroffen sind, ist bislang nicht vollständig geklärt. Möglicherweise spielen dabei auch weibliche Hormone eine Rolle: Das Absinken des Östrogenspiegels nach der Menopause könnte die Gefäßwände anfälliger machen.
Diese Gruppen tragen ein höheres Risiko
Besonders häufig fanden die Forscher Aneurysmen zudem bei Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen oder familiärer Belastung. Bei Personen mit einer autosomal-dominanten polyzystischen Nierenerkrankung lag der Anteil bei 12,8 Prozent. Die erbliche Nierenerkrankung geht mit vielen flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen in den Nieren einher. Menschen mit einer erblich bedingten Bindegewebserkrankung wie dem Marfan- oder Ehlers-Danlos-Syndrom kamen auf 10,3 Prozent.
Bei Personen, in deren Familie bereits einmal ein Hirnaneurysma oder eine durch ein geplatztes Aneurysma verursachte Hirnblutung aufgetreten war, lag der Wert bei 7,9 Prozent.
Auch beeinflussbare Faktoren spielen eine Rolle – Rauchen geht laut Studie mit einem 1,4-fach erhöhten Risiko einher, Bluthochdruck mit einem 1,6-fach erhöhten Risiko.
Warum nehmen die Befunde zu?
Ein Teil des Anstiegs lässt sich durch eine bessere Bildgebung erklären, denn dank moderner Verfahren werden insbesondere sehr kleine Aneurysmen häufiger entdeckt. Auch dass es heute mehr ältere Menschen gibt, könnte zum Anstieg beitragen, denn Hirnaneurysmen werden mit zunehmendem Alter häufiger.
Beides erklärt die Verdopplung jedoch nicht vollständig. Denn auch größere Aneurysmen ab fünf Millimetern nahmen zu – von 0,7 auf 1,4 Prozent. Zudem blieb der Anstieg auch dann bestehen, wenn die Forscher das Alter statistisch herausrechneten.
Rauchen und Bluthochdruck erklären die Entwicklung ebenfalls nicht, da beide Faktoren in der Bevölkerung abnehmen. Die Forscher vermuten deshalb, dass auch weitere, bislang unbekannte Einflussgrößen eine Rolle spielen, etwa Umweltfaktoren.