Keine Ahnung von Finanzen, kein Businessplan
„Wir können nix anderes“ – So entstand das Wacken Open Air
08.07.2026 – 03:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Ende Juli startet wieder das Wacken Open Air in Norddeutschland. Die Gründer erzählen nun, wie aus einem chaotischen Anfang eines der größten Metalfestivals der Welt wurde.
Noch drei Wochen, dann steigt vom 29. Juli bis 1. August in Norddeutschland wieder das Kultfestival Wacken Open Air. Holger Hübner und Thomas Jensen hatten vor 36 Jahren keinen Businessplan, konnten nicht rechnen – und gründeten trotzdem eines der größten Metalfestivals der Welt.
In einem Interview mit der „FAZ“ verrieten die Wacken-Gründer jetzt ihr Erfolgsgeheimnis. „Für uns gilt bis heute: Wir können nix anderes“, sagt Jensen. Der Ausgangspunkt war simpel: „Es gab nichts. Wenn wir es nicht machen, macht es niemand für uns“, erklärt Hübner. Stadionrock war tot, Grunge kam gerade – also versuchten sie, das zu schaffen, was sie selbst vermissten.
1993 kamen gerade mal 167 Menschen zum Konzert
Die Anfänge waren hart. 1993 kamen gerade mal 167 Menschen zum Konzert – die Einnahmen reichten nicht mal für das Catering. „Es war eine absolute Katastrophe“, erinnert sich Jensen. Trotzdem gaben die beiden nicht auf. Eine Freundin des Bruders kümmerte sich um die Finanzen, die beiden erweiterten ihr Wissen über Bühnentechnik und organisierten Bustouren zu Konzerten. Trial and Error statt Strategie.
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Ende der 1990er Jahre wurde es besser, als immer mehr ausländische Gäste nach Wacken kamen. 1997 traten Motörhead auf – für Jensen war das der Moment, als sie merkten, dass sie eine Bedeutung in der Szene hatten. Finanziell gerechnet habe sich das Festival aber erst ab den 2000er-Jahren, so Jensen. Von da an wuchs es Jahr für Jahr in Zehntausenderschritten. 2013 mit Rammstein und Iron Maiden ging es in eine „ganz eigene Liga“.
Eigenständigkeit des Festivals ist dahin – KKR hält 60 Prozent
Die Hartnäckigkeit der beiden prägt das Festival bis heute. Jensen managte 16 Jahre lang die Metalband Saxon, Santiano kamen in den 2000ern auf die beiden zu. „Die arbeiten mit uns, weil sie uns vertrauen“, sagt Jensen. Beim Ticketing beziehen sie klare Position gegen Dynamic Pricing: „Wir machen unser eigenes Ticketing und haben es selbst in der Hand. So etwas wird es bei uns nicht geben.“
Die Eigenständigkeit ist inzwischen relativiert: Die Private-Equity-Firma KKR ist beim Festivalverbund Superstruct Entertainment eingestiegen, der wiederum 60 Prozent an Wacken hält. Hübner begründet das mit mehr Resilienz – gerade bei Lieferkettenproblemen nach Corona. Wie lange es noch weitergehen soll? Beide antworten einstimmig: „Solange wir dürfen.“










