Bedrohung aus dem All
So will die Menschheit gefährliche Asteroiden abwehren
Aktualisiert am 29.06.2026 – 14:42 UhrLesedauer: 4 Min.
Die Menschheit will gefährliche Brocken aus dem All abwehren. Welche Erkenntnisse bringt eine 2024 gestartete Mission?
Sie können ein Fluch, aber wohl auch ein Segen sein. Asteroiden können bei einer Kollision mit unserem Heimatplaneten verheerende Schäden anrichten. Eine planetare Verteidigung kann überlebenswichtig sein. Ein Satellit zur Abwehr von Asteroiden ist gerade auf der Zielgeraden. Vor dem Internationalen Asteroidentag am 30. Juni sind hier die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was ist der Zweck der „Hera“-Mission?
Der Satellit „Hera“ ist Teil einer Doppelmission. Im September 2022 krachte mit voller Absicht die Sonde „Dart“ (Double Asteroid Redirection Test) mit einer Geschwindigkeit von rund 6,6 Kilometern pro Sekunde in den kleineren Brocken eines Doppelasteroiden.
Die US-amerikanische Weltraumagentur Nasa, die die Mission leitete, kommentierte den Einschlag damals so: „Wir brechen jetzt in eine neue Ära der Menschheit auf, in der wir die Möglichkeit haben könnten, uns gegen den Einschlag eines Asteroiden zu schützen.“ Der Crash veränderte messbar die Umlaufbahn von Dimorphos – eine Art Mond des größeren Asteroiden Didymos.

Nach Angaben des Chefkoordinators der Asteroidenabwehr der europäischen Raumfahrtagentur Esa in Darmstadt, Richard Moissl, überraschte die Größe der Staubwolke bei dem Einschlag. Und hier kommt auch die aus dem Kontrollzentrum in Darmstadt gesteuerte Esa-Mission „Hera“ ins Spiel, die im November an dem Doppelasteroiden ankommen wird. Sie soll Daten zur Beschaffenheit, Dichte, Größe oder Form liefern.
„Klassisch würde man erwarten, dass da jetzt ein Krater ist. Könnte aber auch sein, dass er aussieht wie angeknabbert“, sagt Moissl.
Was muss man bei der Asteroidenabwehr beachten?
Es könne sein, dass sich der ganze Asteroid verformt hat, sagt der Asteroidenexperte Detlef Koschny, Professor für Lunare und Planetare Exploration an der Technischen Universität München. Das sei die spannende Frage. „Wenn ich einen Asteroiden ablenken will, das ist eine ganz kritische Sache.“ Es könne passieren, dass zu viel Kraft aufgewendet werde und dann breche er auseinander und werde gar nicht abgelenkt. Die Teile würden dann trotzdem auf die Erde zufliegen.
Sind weitere Erkundungsmissionen zu Asteroiden geplant?
Ja. Die Mission „Ramses“ (Rapid Apophis Mission for Space Safety) soll 2029 den fast 400 Meter großen Asteroiden Apophis erkunden. Der riesige Brocken, der bei einem Einschlag wahrscheinlich verheerende Folgen hätte, soll am Freitag, den 13. April 2029, in nur 32.000 Kilometern an der Erde vorbeifliegen. In den Weiten des Sonnensystems ist das fast nichts. Im Vergleich: Der Mond ist durchschnittlich 384.400 Kilometer entfernt.
„Bei der „Ramses“-Mission haben wir jetzt sehr wichtige Meilensteine genommen. Die Industrieverträge sind alle unterschrieben“, sagt Moissl. „Man will sehen, wie er aussieht, bevor er von den Gezeitenkräften der Erde mal richtig durchgeschüttelt wird.“ Eine Ablenkung sei absolut nicht geplant. Bei Apophis handelt es sich um einen Asteroiden, der die Erdumlaufbahn kreuzt und bei seiner Entdeckung zunächst als Einschlagskandidat galt.











