Immer mehr Notrufe
Abnehmspritze: Forscher entdecken unerwartete Komplikation
29.06.2026 – 15:08 UhrLesedauer: 3 Min.
Abnehmspritzen gelten als wirksam gegen starkes Übergewicht. Allerdings scheinen viele Menschen Probleme mit der Anwendung der wöchentlichen Spritze zu haben.
Der Boom von Abnehmspritzen hat in den vergangenen Jahren Millionen Menschen erreicht. Wirkstoffe wie Semaglutid ahmen das körpereigene Hormon GLP-1 nach. Sie bremsen den Appetit, verlangsamen die Magenentleerung und helfen so beim Abnehmen. Ursprünglich entwickelten Forscher diese Wirkstoffe für Menschen mit Typ-2-Diabetes, seit einigen Jahren kommen sie aber auch gegen Adipositas zum Einsatz.
Die Zulassung für die Adipositas-Therapie im Jahr 2021 in den USA und die vermeintlich einfache wöchentliche Injektion haben maßgeblich zum Erfolg von Abnehmspritzen mit Semaglutid beigetragen. Doch eine neue Auswertung aus den USA zeigt nun: Mit der steigenden Verbreitung nehmen auch Notrufe wegen Anwendungsfehlern deutlich zu.
Gut zu wissen
In Deutschland sind derzeit die GLP-1-Rezeptoragonisten Liraglutid (seit 2016) und Semaglutid (seit 2022) und der duale GLP-1-/GIP-Rezeptoragonist Tirzepatid (seit 2023) zur längerfristigen Adipositas-Behandlung zugelassen. Allerdings gelten die Medikamente in Deutschland als sogenannte „Lebensstil-Maßnahme“, weshalb sie oft nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Mehr Informationen zu den möglichen Adipositas-Therapien in Deutschland erfahren Sie hier.
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Zahl der Notrufe hat sich nach Zulassung stark erhöht
Für die im „Journal of Medical Toxicology“ veröffentlichte Studie werteten Wissenschaftler mehr als 10.000 Meldungen an US-Giftnotrufzentralen aus den Jahren 2012 bis 2023 aus. Im Mittelpunkt standen GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid, Liraglutid oder Tirzepatid.
Das Ergebnis: Nach der US-Zulassung von Semaglutid zur Behandlung von Adipositas im Jahr 2021 stieg die Zahl der gemeldeten Fälle sprunghaft an. Von insgesamt 10.033 registrierten Vorfällen entfielen rund zwei Drittel auf die Zeit nach der Zulassung. Die Zahl der Meldungen mit Semaglutid nahm danach um fast zehn Prozent pro Quartal zu, Meldungen zu allen anderen Wirkstoffen um etwa 1,5 Prozent pro Quartal.
Meist steckt ein Anwendungsfehler dahinter
Nach Angaben der Wissenschaftler kam es vor allem zu Überdosierungen. Diese haben sich seit der Zulassung von Semaglutid zur Behandlung der Adipositas verdoppelt. In den meisten Fällen kam es zur Überdosierung, weil Betroffene das Medikament zum falschen Zeitpunkt injizierten oder eine falsche Dosis verwendeten.
Die gute Nachricht: Schwere Vergiftungen waren selten. Die häufigsten Beschwerden entsprachen den bekannten Nebenwirkungen der Medikamente. Rund 31 Prozent der Betroffenen klagten über Übelkeit, knapp 29 Prozent über Erbrechen. Es folgten Bauchschmerzen, Durchfall, Schwindel und Kopfschmerzen. Nur wenige entwickelten einen zu niedrigen Blutzucker oder Herzrasen. Viele Patienten benötigten lediglich Medikamente gegen Übelkeit oder Infusionen, um den Flüssigkeitsverlust nach Erbrechen auszugleichen.
Die Experten des „Deutschen Ärzteblatts“ erklären die unter anderem damit, dass es vielen Menschen schwerfällt, sich an die wöchentliche Anwendung von Semaglutid oder Tirzepatid zu halten. Hinzu komme, dass die Menschen, die GLP-1-Agonisten zur Gewichtsreduktion einsetzen, oft jünger und unerfahren mit der Anwendung von Medikamenten sind. Das zeigt sich auch in den Ergebnissen der Auswertung. So ist das Alter der Betroffenen von 57,0 Jahren auf 51,6 Jahre gesunken.











