Politik bei den Grünen
„Fehler gemacht“: Ricarda Lang gibt sich selbstkritisch
30.10.2026 – 00:22 UhrLesedauer: 3 Min.
Der Erfolg der AfD liegt auch an anderen Parteien, sagt Ricarda Lang. Sie und Grünen-Chef Banaszak wollen mehr Offenheit.
Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat sich selbstkritisch gezeigt, was die Rolle der Grünen beim Erstarken der AfD betrifft. „Natürlich haben auch wir Grüne zum Aufstieg der Rechtsextremen beigetragen“, sagte Lang im Podcast „n-tv Salon“. Das gelte allerdings auch für alle anderen Parteien. Sie finde es „komplett absurd“, wenn bei fast 30 Prozent für eine Partei alle anderen sagten, sie hätten damit nichts zu tun.
In der Ampelzeit seien die Grünen inhaltlich unklarer geworden. Zugleich hätten sie sich bei der Frage, mit wem man rede, „kulturell verhärtet“, sagte Lang. „In Teilen selbst verschuldet, in Teilen natürlich auch von außen noch mal in Zerrbilder vergrößert“. So sei der Eindruck entstanden, dass man die richtige Sprache sprechen müsse, wenn man mitmachen wolle. „Wenn ich ein Mann bin, habe ich im Feminismus erst mal gar nichts zu suchen. Und wenn ich Auto fahre, dann bin ich beim Klimaschutz automatisch außen vor“, sagte sie.
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Migration: „Haben einen Fehler gemacht“
Lang fordert deshalb eine neue Offenheit. „Es sollte ja nicht darum gehen, eine Tür zu kreieren, die möglichst aussieht wie die im Berghain, sondern möglichst viele Menschen zum Mitmachen einzuladen.“ Auch Menschen, die Auto fahren, wollten, „dass ihre Kinder auf dem lebenswerten Planeten leben“. Niemand müsse „ein bestimmtes Buch gelesen haben“, um sich für soziale Sicherheit und Gerechtigkeit einzusetzen. Es könne nicht darum gehen, „im Kreis der Überzeugten uns gegenseitig auf die Schultern zu klopfen“. Ziel sei, „raus aus der Blase zu gehen und Mehrheiten zu schaffen“.
Sie räumte auch Versäumnisse bei der Migrationsdebatte ein: „Ich finde, wir haben schon einen Fehler gemacht. Und das ist, dass diese ganze Integrationsdebatte in den letzten Jahren komplett ins Hintertreffen geraten ist“, sagte Lang. Während ein Teil der Gesellschaft nur darüber reden wolle, „wer hier ankommt und wer wie schnell wieder gehen soll“, hätten die Grünen aus Angst, Probleme anzusprechen, das Thema anderen überlassen. „Über Lösungen kann ich nur sprechen, wenn ich auch das Problem anerkenne. In dem Moment, wo ich sage, das Problem entsteht gar nicht, kann ich auch nicht mehr über die Lösung reden.“
Banaszak sieht Selbstwirksamkeit als Grund

Parteichef Felix Banaszak erklärte, warum die AfD derzeit so viele Menschen erreiche: „Es gibt gerade nichts, was Menschen so viel Selbstwirksamkeit gibt wie eine Stimme für die AfD.“ Die Demokraten müssten sich deshalb fragen, wie sie den Menschen wieder das Gefühl geben könnten, „dass ihre Stimme etwas zählt, dass ihre Perspektive etwas wert ist“. Für die Grünen sei die Hürde dabei selten das Wahlprogramm, sondern „dass die Menschen das Gefühl haben, die Grünen mögen sie nicht“.