Kapitalrente
Was sich die Rentenkommission von Schweden abgeschaut hat
22.06.2026 – 15:22 UhrLesedauer: 4 Min.

In Schweden fließt ein Teil der Rentenbeiträge an die Börse. Nun empfiehlt die Rentenkommission ein ähnliches Modell für Deutschland.
Die Rentenkommission der Bundesregierung empfiehlt nicht weniger als eine Revolution für die Altersvorsorge. Künftig soll es nach ihren Vorstellungen eine verpflichtende Kapitalrente als Teil der gesetzlichen Rentenversicherung geben – nach schwedischem Vorbild.
Das wäre ein grundlegender Kurswechsel. Anders als die bisherige Riester-Rente oder das neue Altersvorsorgedepot ab Januar 2027 wäre die Kapitalanlage dann kein freiwilliger Zusatz mehr, sondern Bestandteil der gesetzlichen Rente. t-online zeigt, wie das Modell in Schweden funktioniert, auf das sich die Kommission nun ausdrücklich beruft.
Was die Rentenkommission vorschlägt
Die Kommission empfiehlt die Einführung einer obligatorischen kapitalgedeckten Renten-Komponente innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung. Dafür sollen individuelle Kapitalkonten eingerichtet werden. Finanziert werden soll das System über einen zusätzlichen Beitragssatz von zwei Prozent, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam tragen.
Die Beiträge sollen zentral verwaltet und am Kapitalmarkt angelegt werden. Nach Vorstellung der Kommission soll die neue Kapitalrente langfristig dazu beitragen, das Rentenniveau wieder anzuheben und die Folgen des demografischen Wandels abzufedern.
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Schweden setzt seit Jahrzehnten auf Kapitalmärkte
Schweden gilt international als eines der bekanntesten Beispiele für eine kapitalgedeckte Ergänzung der gesetzlichen Rente. Dort besteht das Rentensystem aus zwei Bausteinen: einer umlagefinanzierten Einkommensrente und einer kapitalgedeckten Prämienrente. Insgesamt fließen 18,5 Prozent des Einkommens in die Altersvorsorge. Davon werden 2,5 Prozent direkt am Kapitalmarkt angelegt.
Der entscheidende Unterschied zu vielen deutschen Reformideen: Die Prämienrente ist kein freiwilliges Zusatzangebot, sondern verpflichtender Teil der gesetzlichen Rentenversicherung. Alle Erwerbstätigen nehmen automatisch daran teil.
Deutschland und Schweden gingen unterschiedliche Wege
Deutschland und Schweden standen Ende der 1990er-Jahre vor ähnlichen Herausforderungen. Beide Länder wollten ihre Rentensysteme stärker auf den demografischen Wandel vorbereiten. Schweden integrierte die Kapitalanlage direkt in die gesetzliche Rente. Deutschland entschied sich dagegen für die Riester-Rente als freiwillige private Zusatzvorsorge.
Die Hoffnung war, dass die Bürger eigenständig zusätzlich sparen würden. In der Praxis blieb die Verbreitung jedoch hinter den Erwartungen zurück. Kritisiert wurden vor allem hohe Kosten, komplizierte Förderregeln und geringe Renditen vieler Produkte.
Der Fonds, den Millionen Schweden nutzen
Die schwedische Prämienrente wird zentral über die staatliche Rentenbehörde organisiert. Sie übernimmt die Kontoführung, kontrolliert die Fondsanbieter und zahlt später die Renten aus. Versicherte können aus einer begrenzten Zahl geprüfter Fonds auswählen. Wer keine Entscheidung trifft, landet automatisch im staatlichen Standardfonds AP7 Såfa.
Rund sechs Millionen Schweden nutzen diese Standardlösung. Der Fonds investiert vor allem in Aktien und schichtet das Vermögen erst mit zunehmendem Alter schrittweise in sicherere Anlagen um.