Banaszak und seiner Co-Vorsitzenden Franziska Brantner ist bewusst, dass die Partei bis weit in die Mitte hinein anschlussfähig sein muss, wenn sie Wahlen gewinnen will. Das Beispiel Baden-Württemberg mit dem pragmatisch-bürgerlichen Spitzenkandidaten Cem Özdemir hat das gezeigt. Auf Bundesebene träumt die Partei immer noch vom Kanzleramt, im Osten geht es erst mal ums blanke Überleben. Doch das grüne Rezept ist hier wie da ähnlich: Raus aus der Nische, dorthin, wo die Mehrheit der Menschen ist – und wo man Grüne nicht unbedingt erwartet.
Überraschungsgäste im „Taxi Banaszak“
Darauf legt es Parteichef Banaszak auch mit seiner Taxi-Aktion an. Er wolle mit den Mitfahrenden darüber sprechen, wie man sich auf dem Land ohne Bus und Bahn als verlässliche Alternative bewegen könne oder wie der Schutz von Natur und Lebensqualität mit der Sicherung der regionalen Wirtschaft und Arbeitsplätzen zusammengebracht werden könne, heißt es. Die Partei verspricht außerdem, wohl um das Angebot attraktiver zu machen, dass auf ausgewählten Fahrten Überraschungsgäste im „Taxi Banaszak“ mitfahren werden. Wer nicht persönlich mitfahren könne, könne die Fahrten im Nachgang auf YouTube und Instagram verfolgen.
Wer sich für eine Fahrt anmeldet, muss unter anderem angeben, worüber mit dem Grünen-Chef gesprochen werden soll. Im Nachgang gibt es eine Benachrichtigung, ob es mit der Fahrt klappt oder nicht. Einen Personenbeförderungsschein braucht Banaszak nach Angaben der Grünen nicht, weil es sich nicht um einen gewerblichen Fahrdienst handelt.
Ob das „Taxi Banaszak“ am Ende einfach nur Grünen-Anhänger anzieht, die ihr Kreuzchen im September ohnehin bei der Partei gemacht hätten und einfach mal den Parteichef treffen wollten, oder tatsächlich neugierige Grünen-Skeptiker, wird sich zeigen. Die Partei dürfte mit der Aktion vor allem auf Aufmerksamkeit und Reichweite setzen.
Für Banaszak ist die Reise durch den Osten jedenfalls nicht gänzlich neu. Bereits im vergangenen Sommer tourte der Grünen-Chef durch Ostdeutschland und versuchte, mit seinem Format „Bier mit Banaszak“ auch dort mit Menschen ins Gespräch zu kommen. In Brandenburg an der Havel eröffnete der Duisburger ein Wahlkreisbüro. In diesem Jahr lief er in Magdeburg und Schwerin Halbmarathon, um Spenden für die anstehenden Wahlen zu sammeln.
Wie schlecht die Grünen im Osten aufgestellt sind, zeigt sich an den Mitgliederzahlen: Während die Partei bundesweit mehr als 180.000 Mitglieder zählt, sind es im Osten, ohne Berlin, lediglich rund 14.500. Selbst unter Berücksichtigung der geringeren Bevölkerungszahl im Osten ist das Ungleichgewicht markant. Die Wurzeln der Grünen liegen in der Umwelt- und Friedensbewegung der 1970er- und 1980er-Jahre. Im Osten konnte sich die Partei nach der Wiedervereinigung trotz des Namenszusatzes „Bündnis 90“ nie richtig etablieren. Themen wie Klimaschutz, Selbstverwirklichung oder Nachhaltigkeit stießen im von Arbeitslosigkeit geprägten Osten auf wenig Resonanz. Diese Schwäche ist bis heute spürbar.










