Neues aus der Forschung
Früher Zuckerkonsum beeinflusst wohl das Demenzrisiko
03.08.2026 – 15:09 UhrLesedauer: 2 Min.
Zu viel Zucker ist auf Dauer gesundheitsschädlich. Eine Studie zeigt nun, wie wichtig es speziell für das Gehirn sein könnte, den Konsum früh zu begrenzen.
Mit weniger Zucker ins Leben zu starten, senkt womöglich das spätere Demenzrisiko: Darauf deutet eine jüngst im renommierten Fachmagazin „Neurology“ veröffentlichte Studie hin. Danach tritt bei Menschen, deren Zuckerkonsum im Mutterleib sowie in den ersten ein bis zwei Lebensjahren geringer war, eine Demenz seltener und deutlich später auf.
Historische Zuckerrationierung als Experiment genutzt
Wer übermäßig viel Zucker verzehrt, riskiert langfristig gesundheitliche Probleme, wie Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch dem Gehirn kann der Konsum schaden. Inwieweit er Demenzerkrankungen begünstigt, ist aber noch nicht hinreichend erforscht. Ein Forschungsteam wollte daher den möglichen Zusammenhang zwischen übermäßiger Zuckeraufnahme in jungen Jahren und einer späteren Demenz genauer untersuchen.
Dazu analysierte das Forschungsteam Daten aus der umfassenden biomedizinischen Datenbank namens UK Biobank. Die Untersuchung umfasste 64.737 Menschen, die im Vereinigten Königreich vor und nach der historischen Zuckerrationierung geboren worden waren: Die Rationierung hatte im Zweiten Weltkrieg begonnen und bis September 1953 angedauert.
Das Ende der Zuckerrationierung nutzte das Forschungsteam somit als eine Art natürliches Experiment: Es verglich die Menschen, die während der Zuckerrationierung im Mutterleib heranwuchsen und ihr erstes oder ihre ersten beiden Lebensjahre in dieser Zeit verbracht hatten, mit denjenigen, die erst nach dem Ende der Rationierung zur Welt gekommen waren.
Deutliche Unterschiede beim Demenzrisiko
Ab dem Zeitpunkt, als die teilnehmenden Personen im Durchschnitt 55 Jahre alt waren, überprüfte das Forschungsteam, bei welchen während der folgenden 15 Jahre eine Demenz diagnostiziert wurde. Dabei stellte es fest:
- Nach einem geringeren Zuckerkonsum in der frühen Lebensphase kam es seltener zu einer Demenz. Nach Berücksichtigung wichtiger Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Bluthochdruck und Diabetes war das Demenzrisiko um 21 bis 23 Prozent niedriger als das der Vergleichsgruppe.
- Zudem trat eine Demenz bei den Betroffenen durchschnittlich etwa 2,6 Jahre später auf. Die Zusammenhänge zeigten sich auch für Alzheimer.
Hinweise auf ein gesünderes Gehirn
Zu einigen der teilnehmenden Personen lagen MRT-Aufnahmen des Gehirns vor. Deren Auswertung ergab, dass die graue Hirnsubstanz bei Menschen mit geringerer Zuckeraufnahme in der frühen Entwicklung ein größeres Volumen hatte. Gleichzeitig wies ihre weiße Hirnsubstanz weniger Veränderungen auf, die als Hinweis auf Gewebeschäden gelten. Auch in Tests zur Verarbeitungsgeschwindigkeit und zum logischen Denken schnitten sie besser ab.
Laut dem Forschungsteam lässt sich der beobachtete Schutzeffekt der Zuckerrationierung vermutlich zumindest teilweise dadurch erklären, dass Menschen mit geringerem Zuckerkonsum seltener an Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck erkrankten. Beide Erkrankungen gelten als Risikofaktoren für Demenz.
Ergebnisse mit Vorsicht einordnen
Die Ergebnisse legen nahe, dass eine zuckerarme Ernährung in der Schwangerschaft und in der frühen Kindheit langfristig positive Auswirkungen auf die Gehirngesundheit haben könnte. Zu beachten ist allerdings, dass die Ergebnisse aus einer Beobachtungsstudie stammen und somit lediglich einen Zusammenhang aufweisen. Sie beweisen also nicht, dass eine frühe Einschränkung des Zuckerkonsums eine Demenz direkt verhindert.










