Veröffentlicht am
Deutschland bleibt nach der kurzen Abkühlung zunächst auf der kühleren Seite eines Hochdrucksystems. Doch die Hitze ist nicht verschwunden – sie nimmt derzeit über Spanien und Frankreich zu und könnte bald wieder auf Deutschland übergreifen.
„Im Moment ist Deutschland auf der kalte Seite des Hochs“, erklärt Meteorologe Dominik Jung. Die heiße Luft hält sich vorerst westlich der deutschen Grenzen. Wettermodelle deuten jedoch darauf hin, dass sich das Azorenhoch erneut nach Mitteleuropa ausbreiten wird. Die ersten Streifen der Wärme könnten daher gegen Ende nächster Woche den Westen und Südwesten erreichen.
In weiten Teilen des Landes könnten dann Temperaturen von „30 Grad und mehr möglich sein“. Das früheste, optimistische Szenario für eine Rückkehr der Hitze wäre „spätestens nächstes Wochenende“. Doch das ist noch nicht sicher: Erstens könnte sich über Deutschland eine Grenze zwischen Luftmassen bilden. Das würde sowohl den Zeitpunkt als auch die Stärke des nächsten Wärmeschubs ungewiss machen.
Das Abkühlen fühlt sich extremer an, als es ist
Nach der Hitzewelle fühlen sich die aktuellen Temperaturen ungewöhnlich kühl an.
Eine nordwestliche Strömung und ein Hochtal lassen die Temperaturen vielerorts unter die 30-Grad-Marke drücken. In der Nähe von Gewittern können sie örtlich sogar unter 20 Grad fallen. In der zweiten Julihälfte herrscht allerdings eher normales bis leicht unterdurchschnittliches Sommerwetter.
„Der Kälteeindruck entsteht vor allem durch den Kontrast zur extremen Hitze davor“, betont Jung.
Wirklich außergewöhnlich war die vorangegangene Hitzeperiode: Ende Juni lagen die Temperaturen bei 41,7 Grad stellte in Deutschland neue Rekorde auf. Die Hitzewarnphase war mit rund zwölf Tagen auch eine der längsten seit Einführung des DWD-Hitzewarnsystems im Jahr 2005.
Heftige Gewitter vor allem im Süden
Der aktuelle Wetterumschwung erhöht auch die Gefahr heftiger Gewitter. Besonders betroffen sind der Süden und Südosten Deutschlands, vor allem die Mittelgebirgsregionen – allen voran Bayern, Baden-Württemberg und Teile Sachsens. Entlang der Luftmassengrenze sind auch heftige Stürme möglich, die sich im Zentrum des Landes ausbreiten können.
Meteorologen warnen vor örtlich begrenzten Unwettern Starkregen, Hagel und orkanartige Böen ist dort möglich. Auch im Norden und in der Mitte Deutschlands kann es zu Gewittern kommen, allerdings ist mit geringerer Intensität zu rechnen.
„Der Sommer kehrt immer wieder zurück“
Was in diesem Sommer auffällt, ist die ungewöhnliche Beständigkeit des Wettermusters: „Als Meteorologe überrascht mich am meisten, wie hartnäckig das Muster ist“, sagt Jung. Nach jeder Kühlperiode baut sich der Hochdruckbereich erstaunlich schnell wieder auf.
„Der Sommer gerät fast immer wieder in den Hitzemodus.“
Ein weiteres auffälliges Merkmal sind die starken Schwankungen zwischen einzelnen Wettermodellen. Bei einigen Läufen wurden extrem hohe Werte simuliert. Teilweise hat das amerikanische Wettermodell sogar Ausreißer von bis zu ergeben 47 Grad – rund 20 Grad über dem Durchschnitt vieler Modellrechnungen.
„Solche Sprünge sieht man selten. Sie zeigen, wie sehr kleine Störungen in der Atmosphäre derzeit die Prognose erschweren.“
Der längerfristige Trend bleibt warm und trocken
Mit Blick auf die kommenden Wochen deutet das Signal weiterhin auf einen allgemein warmen und trockenen Trend hin. Nach dieser unruhigen Phase rechnen viele Modelle damit, dass sich der Hochdruck wieder verstärken wird.
Aus der Umgebung 21. JuliTemperaturen zwischen 28 und 34 Gradund vor Ort bis zu 38 Gradsind wieder möglich. Das würde eine Rückkehr von Hitzetagen, wüstenähnlichen Tagen und tropischen Nächten bedeuten. Gleichzeitig könnte die Trockenheit in vielen Regionen wieder stärker in den Fokus rücken.
Langfristige Prognosen sind jedoch immer noch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. „Ein Trend ist keine punktgenaue Prognose“, erklärt Jung. „Über eine Woche hinaus ist die Streuung groß.“ Je weiter Sie also in die Zukunft blicken, desto größer wird die Bandbreite der Modellergebnisse.
Nur eines scheint sicher, und viele werden es erraten haben: Der Sommer hat offensichtlich nicht die Absicht, sich zurückzuziehen.
