Künstliche Intelligenz lässt große Informationsmengen entstehen, die verarbeitet und gespeichert werden müssen. Und damit verdient SanDisk heute Geld.
Doch in der KI-Revolution konzentrierten sich viele Investoren zunächst auf Chiphersteller. Logisch, denn diese Chips sind sozusagen die Herzstücke der KI-Systeme.
Doch mittlerweile setzt sich eine wichtige Erkenntnis durch: Speicher sind die Schaufeln im Goldrausch. Die vielen KI-Anwendungen verschlingen riesige Datenmengen und benötigen entsprechende Speicherkapazitäten.
Das ist der Schweinezyklus
Das war die Stunde von SanDisk. Investoren kauften nicht mehr nur den Motor der KI-Bewegung, sondern auch den Zulieferer des Treibstoffs. Dazu kam ein Faktor, den viele Privatanleger unterschätzen: der typische Zyklus der Speicherindustrie. Was heißt das?
Nun, Speicherchips gehören zu den Produkten, deren Preise teilweise extrem schwanken. Werden zu viele Chips produziert, fallen die Preise auf dem Weltmarkt, und die Gewinne der Hersteller sinken. Reduzieren die Hersteller später ihre Produktion, ist die Situation oft erstaunlich schnell eine ganz andere. Das Angebot wird knapper, die Preise steigen, und plötzlich verbessert sich die Ertragslage der Unternehmen wieder. Und zwar massiv.
In der Wirtschaftswissenschaft nennt man das „Schweinezyklus“: verzögerte Reaktionen von Angebot und Nachfrage und entsprechend wellenförmige Preisentwicklungen.
In diesem Fall heißt das: höhere Nachfrage, stark steigende Speicherpreise. Die bringen bessere Margen. Bessere Margen bedeuten steigende Gewinne. Und steigende Gewinne sind an der Börse der beste Kurstreiber.
Der Schneeball rollt
Doch damit nicht genug. An den Finanzmärkten gibt es auch noch einen Effekt, den man mit einem Schneeball vergleichen kann. Wenn eine Aktie kräftig steigt, wird häufiger darüber berichtet. Fondsmanager stocken ihre Positionen auf, Finanzmedien greifen das Thema auf, und Privatanleger springen auf den fahrenden Zug auf – eine Dynamik, die wir bei vielen Unternehmen aus dem Tech- und KI-Sektor in den vergangenen Jahren gesehen haben. Tesla, Nvidia, Palantir und viele mehr.
Und eben SanDisk. Allerdings wäre es naiv zu glauben, dass das ewig weitergeht. Gerade Halbleiter- und Speicherwerte gehören zu den sehr volatilen Werten. Rückschläge von zehn oder zwanzig Prozent sind hier keine Seltenheit, die haben wir bei SanDisk Ende Mai auch schon gesehen, danach setzte aber wieder eine Erholung ein.
3.000 Dollar – wofür?
Ob Kursziele von 3.000 US-Dollar, wie gerade ausgegeben, realistisch sind? Na ja, bei aktuell gut 2.000 US-Dollar beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis schon 68. Anders gesagt: Investoren zahlen heute das 68-Fache dessen, was SanDisk pro Aktie im Jahr verdient. Nun ist das gerade im KI-Sektor keine Seltenheit, aber günstig ist das nicht mehr.









