Elixir für die Darmflora

Warum Joghurt wie natürliche Medizin wirkt


Aktualisiert am 28.06.2026 – 07:31 UhrLesedauer: 5 Min.

Natürliche Probiotika im Joghurt können die Vermehrung von Krankheitserregern verhindern. (Quelle: GoooDween123 /imago-images-bilder)

Joghurt gilt als bewährtes Hausmittel gegen antibiotikabedingten Durchfall. Ebenso soll er die Darmflora verbessern und die Verdauung fördern.

Für eine gesunde Verdauung ist es wichtig, die Darmflora im Gleichgewicht zu halten. Viele schwören auf Joghurt. Die enthaltenen natürlichen Probiotika sollen helfen, nützliche Darmbakterien zu vermehren und eine gesunde Darmflora aufzubauen. Eine Ernährungswissenschaftlerin erklärt, was Joghurt bewirkt und worauf man bei der Produktwahl achten sollte.

Wann ist der Darm gesund?

Bislang ist es wissenschaftlich nicht gelungen, Kriterien für ein gesundes Darmmikrobiom zu definieren. Als Merkmal einer „gesunden Mikrobiota“ wird aktuell eine möglichst große bakterielle Vielfalt eines Mikrobioms angesehen.

Je höher die Diversität ist, desto effektiver sollen unter anderem Verdauung, Nährstoffaufnahme und Immunabwehr funktionieren. Eine gesunde Darmflora soll sogar Allergien verhindern können. Auch ein Zusammenhang mit einer gesunden Psyche wird diskutiert.

Warum ist Joghurt für den Darm interessant?

In Joghurt sind natürlicherweise Probiotika enthalten. Probiotika sind Mikroorganismen, darunter Bakterien, aber auch Hefepilze. Die bekanntesten Probiotika sind Milchsäurebakterien. Probiotika können dazu beitragen, eine günstige Zusammensetzung der Darmflora zu unterstützen, und die Ausbreitung von krank machenden Erregern verringern.

„Sauermilchprodukte wie Joghurt oder Ayran sind Bestandteil einer darmfreundlichen Ernährung, weil sie lebende Bakterien liefern. Von allen fermentierten Lebensmitteln besitzt Joghurt mit etwa 104 bis 109 koloniebildenden Einheiten pro Gramm die höchste Bakteriendichte“, sagt Diplom-Oecotrophologin Silke Restemeyer vom Referat Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). „Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit von Probiotika, zum Beispiel in der Prävention von antibiotikaassoziierten Durchfällen sowie in der Therapie von Verstopfung und des Reizdarmsyndroms.“

Wie hilft Joghurt gegen antibiotikabedingten Durchfall?

Joghurt wird aufgrund der enthaltenen Probiotika oft empfohlen, um Durchfall entgegenzuwirken, der sehr oft bei der Einnahme von Antibiotika auftritt. Denn: Antibiotika töten nicht nur die krank machenden Bakterien, sondern auch die nützlichen im Darm angesiedelten Bakterien. Ist das Gleichgewicht des Darmmikrobioms gestört, kommt es zu Verdauungsstörungen, da die Verwertung und Zersetzung des Essens beeinflusst sind.

Zudem können sich krankmachende Erreger vermehren, da sie von den guten Darmbewohnern nicht mehr in Schach gehalten werden. Wichtig: Da Milchprodukte die Wirkung mancher Antibiotika herabsetzen können – die Wirkstoffe können sich an das enthaltene Kalzium binden – sollte der Verzehr von Milchprodukten während der Antibiotikagabe mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

„Im Rahmen einer Antibiotikaeinnahme kann naturbelassener Joghurt eine gute Unterstützung für die Darmflora sein. Doch die wissenschaftlichen Erkenntnisse reichen bisher nicht aus, um begründete Empfehlungen für gesunde Menschen auszusprechen, probiotische Bakterien – sogenannte Probiotika – einzunehmen“, sagt Restemeyer.

Angesichts der Komplexität der Mikrobiota und auch der Ernährung steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen. Insgesamt ist eine ballaststoffreiche Ernährung mit einem hohen Anteil an Gemüse, Obst und Getreide aus Vollkorn, sowie einem regelmäßigen Verzehr von Sauermilchprodukten als günstig für den Darm anzusehen.“

Wie wirksam ist Joghurt bei Durchfall?

Um zu klären, wie wirksam Probiotika gegen Durchfall sind, haben Forschende des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration 63 Studien mit etwa 8.000 Teilnehmenden zu diesem Thema ausgewertet. In den Studien wurden Probiotika zum Beispiel als Joghurt, in Milch, als Pulver oder Kapseln sowie in Form von spezieller Babynahrung verabreicht. Studienteilnehmer waren vor allem Kinder. Das Ergebnis der Auswertung: Probiotika können die Erkrankungsdauer im Schnitt um einen Tag verkürzen. Allerdings konnte nicht abschließend geklärt werden, ob bestimmte probiotische Produkte wirksamer sind als andere.

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