Neuer Ansatz gegen die starke Erschöpfung

ADHS-Medikament könnte Fatigue bei Krebs lindern


28.06.2026 – 08:16 UhrLesedauer: 3 Min.

Fatigue (starke Erschöpfung) bei Krebs unterscheidet sich deutlich von normaler Müdigkeit. (Quelle: KatarzynaBialasiewicz/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Viele Krebspatienten kämpfen mit lähmender Erschöpfung. Jetzt zeigt eine große Analyse, welche Zusatztherapie helfen könnte.

Wenn Menschen mit Krebs eine tiefe körperliche, geistige und seelische Erschöpfung verspüren, die sich durch Schlaf kaum bessert, wird das auch als Fatigue bezeichnet. Diese häufige Begleiterscheinung von Krebserkrankungen lässt sich oft nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Neben der Krankheit selbst und den Nebenwirkungen der Therapie können unter anderem Blutarmut, Schmerzen, Schlafstörungen, Bewegungsmangel oder psychische Belastungen eine Rolle spielen.

Falls möglich, behandeln Ärzte zunächst die Auslöser. Bleiben die Beschwerden bestehen, gelten Bewegung, Sport und psychologische Unterstützung als wichtigste Gegenmaßnahmen. Eine Arznei, die gezielt der Fatigue entgegenwirkt, steht bislang nicht zur Verfügung. Eine neue Studie zeigt nun aber: Womöglich könnte ein lange bekanntes Medikament manchen Betroffenen zur Besserung verhelfen – allerdings nicht sofort. Ein spürbarer Nutzen zeigte sich erst nach etwa fünf Wochen Behandlung.

Neun Studien mit mehr als 800 Patienten ausgewertet

Bei der Studie handelt es sich um eine sogenannte Metaanalyse. Dafür fassten die Forscher die Ergebnisse von neun hochwertigen Studien mit insgesamt 823 Krebspatienten zusammen. Diese litten entweder an einer fortgeschrittenen Krebserkrankung oder wurden gerade wegen ihrer Krebserkrankung behandelt.

In den einzelnen Studien wurden die Patienten per Zufall einer von zwei Gruppen zugeteilt:

  • Behandlungsgruppe: Sie erhielt je nach Studie Methylphenidat oder den eng verwandten Wirkstoff Dexmethylphenidat.
  • Vergleichsgruppe: Sie bekam ein Scheinmedikament (Placebo), das genauso aussah, aber keinen Wirkstoff enthielt.

Weder die Patienten noch die behandelnden Ärzte wussten während der Studie, wer welches Präparat bekam. Solche Studien gelten als besonders aussagekräftig, weil Zufall und Erwartungen das Ergebnis dadurch wenig beeinflussen. Anschließend verglichen die Forscher, wie sich die Erschöpfung in den verschiedenen Gruppen entwickelte.

Erschöpfung ließ nach

Über alle Studien hinweg ging es den Patienten, die Methylphenidat oder den verwandten Wirkstoff Dexmethylphenidat erhielten, etwas besser als den Teilnehmern, die nur ein Scheinmedikament bekamen. Die Erschöpfung ließ nach, und zwar messbar. Das zeigte sich unabhängig davon, mit welchem wissenschaftlich anerkannten Fragebogen die Forscher die Fatigue erfassten.

Nach etwa zwei Wochen ließ sich bereits eine leichte Abnahme erkennen. Nach rund fünf Wochen war die Verbesserung so groß, dass Forscher sie als alltagsrelevant einstufen. Das bedeutet: Die Veränderung war nicht nur in den Fragebögen messbar, sondern erreichte auch eine Größenordnung, die nach wissenschaftlichen Maßstäben für Betroffene im Alltag einen spürbaren Unterschied machen kann.

Nach acht Wochen fiel der Effekt sogar noch etwas stärker aus. Das spricht dafür, dass der Wirkstoff Zeit braucht, bis er seine volle Wirkung entfaltet.

Keine Hinweise auf mehr Nebenwirkungen

Während der Behandlung berichteten einige Patienten über Schlafstörungen, Herzklopfen, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen oder Angst. Solche Beschwerden traten unter Methylphenidat jedoch nicht häufiger auf als bei den Teilnehmern, die ein Scheinmedikament erhalten hatten.

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