Anhörungen in Norwegen
Warum Mette-Marit der Epstein-Anhörung fernblieb
01.10.2026 – 18:56 UhrLesedauer: 3 Min.
Kronprinzessin Mette-Marit taucht in den Epstein-Akten auf – trotzdem ermittelt niemand gegen sie. Was dahintersteckt.
In Norwegen fanden in den vergangenen Tagen Anhörungen im Storting, dem Parlament, zu den Verbindungen von Politikern und Diplomaten zu Jeffrey Epstein statt. Mette-Marit war trotz ihrer nachgewiesenen Verbindung zu dem Sexualstraftäter jedoch kein Teil des Verfahrens der Wirtschaftskriminalitätsbehörde Økokrim. Der norwegischen Zeitung „Nettavisen“ berichtet über die Gründe dafür.
So habe es nach Angaben von Økokrim-Chef Pål Lønseth nie einen Anlass gegeben, gegen die neue norwegische Königin zu ermitteln. Hinzu kommt: Das norwegische Grundgesetz macht es in der Praxis nahezu unmöglich, Mitglieder des Königshauses zu untersuchen, solange der König dem nicht zustimmt.
Warum Mette-Marit nicht vor dem Parlament erscheinen muss, erklärt Per-Willy Amundsen, Vorsitzender des Kontroll- und Verfassungsausschusses. „Es ist nicht Sache des Parlaments. Es ist Sache des Königs, sich um Prinzen, Prinzessinnen und seine eigene Familie zu kümmern. Das ergibt sich aus der Verfassung“, sagte Amundsen gegenüber „Nettavisen“. Er verwies dabei auf Paragraph 37 des norwegischen Grundgesetzes und betonte: „Es liegt nicht in unserem Mandat, unserem Bereich oder unserer Verantwortung.“
Für eine Ermittlung durch Behörden wie Økokrim braucht es einen konkreten Verdacht. Dieser liegt im Fall von Mette-Marit nach Einschätzung der Behörde nicht vor. Lønseth erklärte „Nettavisen“: „Wir haben gesagt, dass wir zwei Ermittlungen zu drei Personen haben. Das sind diejenigen, bei denen wir jetzt einen Grund gefunden haben zu ermitteln.“
„Du hast recht, das sieht nicht gut aus“
Mette-Marit selbst äußerte sich in einem Interview mit dem norwegischen Sender „NRK“ im März 2026 zu ihrer Verbindung zu Jeffrey Epstein. Sie erklärte, von dem verurteilten Sexualstraftäter manipuliert und getäuscht worden zu sein. Mette-Marit und Epstein hatten zwischen 2011 und 2014 engen Kontakt, verabredeten Treffen und tauschten sich per E-Mail über private Dinge aus. Damals war der US-Amerikaner bereits zum ersten Mal wegen Prostitution einer Minderjährigen verurteilt worden. „Ich wusste nicht, dass er ein Sexualverbrecher war“, sagte die Kronprinzessin. Epstein habe ausgenutzt, dass sie leichtgläubig sei. „Ich sehe gerne das Beste in den Menschen.“
Besonders ein E-Mail-Verlauf der beiden hatte in den vergangenen Monaten Aufsehen erregt. Mette-Marit soll Epstein, der 2008 verurteilt worden war, im Oktober 2011 geschrieben haben: „Habe dich nach der letzten Mail gegoogelt. Du hast recht, das sieht nicht gut aus.“ Den Satz habe sie mit einem Smiley abgeschlossen. Sie selbst gab in Bezug auf diese Nachricht an, sich nicht mehr daran erinnern zu können, worum es bei dem Gespräch ging.
