Bart, Jeans, „Kloppo“

So absurd sagte der HSV Jürgen Klopp als Trainer ab


Aktualisiert am 01.10.2026 – 19:06 UhrLesedauer: 3 Min.

Jürgen Klopp lacht auf einer Pressekonferenz: Der 59-Jährige ist seit dem Sommer 2026 deutsche Bundestrainer. (Quelle: IMAGO / Sven Simon)

Jürgen Klopp lebt seinen Traum als Bundestrainer. Beinahe wäre seine Karriere anders gelaufen: 2008 hätte er fast den HSV trainiert. Der Wechsel platzte kurios.

Heute steht Jürgen Klopp als Bundestrainer an der Spitze des deutschen Fußballs. Vor rund 20 Jahren fehlte jedoch nicht viel, und seine Karriere wäre in Hamburg anders abgebogen: Damals verhandelte der damalige Mainz-Coach intensiv mit dem HSV. Die Gespräche waren weit fortgeschritten. Doch am Ende wurden ausgerechnet Klopps Auftreten und persönliche Gewohnheiten zum Problem.

Der Hamburger SV suchte im Frühjahr 2008 einen Nachfolger für Huub Stevens, der den Klub von den Abstiegsrängen zurück in den Europapokal geführt hatte. Auf der Kandidatenliste stand auch der aufstrebende Trainer von Mainz 05.

HSV ließ Jürgen Klopp beschatten

Klopp hatte Mainz erstmals in die Bundesliga geführt und den Klub direkt in der ersten Saison für den Uefa-Cup qualifiziert. Spätestens mit seinen Auftritten als ZDF-Experte bei der Heim-WM 2006 machte er sich bundesweit einen Namen als Taktikexperte mit klaren Analysen und lockeren Sprüchen.

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Der HSV ließ Klopp und weitere Kandidaten bei ihrer Arbeit beobachten. Bewertet wurden Training, Taktik und Motivation, aber auch Pünktlichkeit, Kleidung sowie der Umgang mit Fans und Medien.

Klopp und der HSV: „Hatten alles durchverhandelt“

Vorstandschef Bernd Hoffmann und Marketingvorständin Katja Kraus waren überzeugt, dass der damals 40-Jährige der richtige Trainer für den HSV sei. „Wir hatten alles durchverhandelt, Ulla hatte sich im Internet schon Immobilien angeschaut“, erinnerte sich Klopp-Berater Marc Kosicke 2026 im Gespräch mit „Transfermarkt“.

Es fehlte nur noch die Zustimmung von Sportvorstand Dietmar Beiersdorfer. Der frühere Profi sah Klopp jedoch kritisch. Er störte sich an dessen Dreitagebart, dem Spitznamen „Kloppo“, dem Rauchen und einem angeblichen Hang zur Unpünktlichkeit. All das sei nicht hanseatisch genug für den HSV gewesen.

„Ruft nie wieder an, das mache ich nicht“

Für Klopp war das Maß schließlich voll. Er ließ die Gespräche beenden. Später erinnerte er sich an seine Botschaft an die HSV-Verantwortlichen: „Ruft nie wieder an, das mache ich nicht.“ Die Einschätzung Beiersdorfers habe ihn persönlich getroffen. „Wir hatten das Gefühl, dass Gründe gesucht wurden, weshalb Jürgen das mit dem HSV nicht machen sollte“, sagte Berater Kosicke später.

Jürgen Klopp (l.) und Martin Jol klatschen ab (Archivbild): Der HSV entschied sich für den Niederländer, der nur kurz in Hamburg blieb. (Quelle: IMAGO / AM-Bildagentur)

Klopp wechselte stattdessen im Sommer 2008 zu Borussia Dortmund. Dort gewann er zwei deutsche Meisterschaften und den DFB-Pokal. Später führte er den FC Liverpool unter anderem zum Champions-League-Sieg und zur englischen Meisterschaft.

Der HSV entschied sich für Martin Jol. Der Niederländer blieb nur eine Saison und kehrte trotz Platz 5 überraschend in seine Heimat zurück. Auch Beiersdorfer verließ den HSV im Sommer 2009 nach einem Streit mit Vorstandschef Hoffmann. Der Verein geriet anschließend in ein jahrelanges Chaos und stieg später sogar in die 2. Bundesliga ab. Für den Europapokal qualifizierte sich der HSV seither nie wieder.

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