IW-Studie

Manche Rentner gelten als arm, besitzen aber Hunderttausende Euro


19.05.2026 – 13:05 UhrLesedauer: 3 Min.

Zufriedenes Paar: Die Höhe der gesetzlichen Rente ist oft nur ein Teil der finanziellen Realität. (Quelle: kupicoo/getty-images-bilder)

Die Höhe der gesetzlichen Rente allein sagt oft wenig über den tatsächlichen Wohlstand aus. Eine neue Studie zeigt, warum die Fallzahl von Altersarmut womöglich zu hoch angegeben wird.

Viele Rentner in Deutschland gelten statistisch als arm, obwohl sie über Immobilien, Ersparnisse oder andere Einkommensquellen verfügen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf Grundlage von Daten der Deutschen Bundesbank. Die Autoren stellen damit eine Annahme infrage, die in der aktuellen Rentendebatte von Bedeutung ist: dass niedrige gesetzliche Renten automatisch ein hohes Armutsrisiko bedeuten.

Vermögen ändert das Bild deutlich

Bislang wird die Armutsgefährdung in Deutschland fast ausschließlich anhand des laufenden Einkommens berechnet. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Laut IW greift diese Betrachtung jedoch zu kurz – vor allem bei älteren Menschen.

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Würde man zusätzlich Vermögen wie Immobilien, Ersparnisse oder Wertpapiere berücksichtigen, sänke die Armutsgefährdungsquote bei Altersrentnern deutlich: von 17,8 auf 11 Prozent. Das entspräche einem Rückgang um rund 38 Prozent. Bei der Gesamtbevölkerung fällt der Effekt deutlich kleiner aus: Dort sinkt die Quote lediglich von 15,4 auf 13,4 Prozent.

Viele Senioren besitzen Immobilien oder Rücklagen

Nach den Berechnungen verfügen Haushalte mit einem gesetzlichen Altersrentner als Hauptverdiener im Durchschnitt über ein Nettovermögen von rund 313.000 Euro. Der Median – also der Wert genau in der Mitte – liegt bei knapp 140.000 Euro.

Viele ältere Menschen hätten im Laufe ihres Lebens Vermögen aufgebaut, das im Ruhestand den Lebensstandard absichere, argumentiert das IW. Dazu zählen etwa selbst genutzte Immobilien, private Altersvorsorge, Wertpapierdepots, Sparguthaben, Betriebsrenten oder weitere Einkommensquellen neben der gesetzlichen Rente. Die gesetzliche Rente allein sage deshalb oft wenig über die tatsächliche finanzielle Lage eines Haushalts aus.

Ein typischer Fall: Ein Ehepaar lebt in einer abbezahlten Immobilie und erhält nur eine vergleichsweise kleine gesetzliche Rente. Gleichzeitig fallen keine Mietkosten an, zusätzlich existieren Rücklagen oder Kapitalerträge. In der klassischen Armutsstatistik erscheint der Haushalt trotzdem häufig als armutsgefährdet.

IW: Rentendebatte auf Basis unvollständiger Daten

Die IW-Ökonomen und Studienautoren Jochen Pimpertz und Maximilian Stockhausen warnen davor, anstehende Rentenreformen auf Basis unvollständiger Armutszahlen zu beschließen. „Wir führen die Rentendebatte auf der Basis nicht überzeugender Befunde“, sagt IW-Rentenexperte Pimpertz. Wer nur auf die gesetzliche Rente schaue und vorhandenes Vermögen ausblende, könne die tatsächliche finanzielle Lage vieler Senioren falsch einschätzen.

Mehrere Vorschläge setzen darauf, innerhalb des Rentensystems stärker umzuverteilen – also niedrige Rentenansprüche aufzuwerten und höhere Ansprüche abzuschwächen. Diskutiert werden unter anderem Modelle wie ein sogenannter Boomer-Soli oder Rentenvorteile für Menschen, die viele Beitragsjahre vorweisen können.

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