Bundespräsidentenwahl
Uneitel und bürgernah: Aigners Weg nach oben
Aktualisiert am 06.11.2026 – 17:41 UhrLesedauer: 4 Min.
Ilse Aigner könnte Deutschlands nächste Bundespräsidentin werden. Über eine ungeplante politische Karriere und wie man es ohne Machtgier bis ganz an die Spitze schaffen könnte.
Ilse Aigner steht kurz vor dem Ziel – von dem sie vielleicht geträumt, auf das sie aber nie hingearbeitet hat. Weil man auf eine Kandidatur für das höchste Staatsamt in Deutschland nicht hinarbeiten kann wie vielleicht auf andere politische Posten. Und weil sie eh nicht der Typ ist, der sich mit Machtgier und Ellenbogen gezielt bis ganz oben durchboxen würde.
Wegen genau dieser Gelassenheit wird die bayerische Landtagspräsidentin über Parteigrenzen hinweg geachtet und geschätzt. Die 61-Jährige gilt als nahbar und bürgernah, als uneitel, ausgleichend und kommunikativ. Dank ihrer unprätentiösen Art kann sie gut mit Menschen umgehen. Sie kann auch einfach mal nur zuhören. Als bayerische Landtagspräsidentin hat sie gezeigt, dass sie überparteilich agieren, aber auch klare Kante gegen die AfD zeigen kann.
Politisch in Bund und Land erfahren
Unstreitig ist Aigner politisch erfahren, und das auf vielen Ebenen. Sie war Bundestags- und Landtagsabgeordnete, sie war viele Jahre lang Ministerin in Bund und Land, schon seit 2018 ist sie Landtagspräsidentin. Und CSU-intern führt sie seit mittlerweile 15 Jahren den größten Bezirksverband Oberbayern – ohne dass ihr dort je jemand das Amt streitig gemacht hätte oder ihr gefährlich geworden wäre. Kein Wunder – bei Landtagswahlen ist sie ein verlässliches Stimmen-Zugpferd für ihre Partei, sie ist landauf, landab bekannt und beliebt.

Aigner ist keine Revolutionärin
Deshalb steht sie seit Jahren intern auch an erster Stelle der möglichen Nachfolger für Ministerpräsident Markus Söder. Wäre der irgendwann Kanzler geworden, Aigner wäre ihm wohl als bayerische Regierungschefin nachgefolgt.
Und mehr noch: Viele hätten Aigner an bestimmten Punkten zugetraut, Söder im Amt gefährlich zu werden, wenn der sich in einer Schwächephase befand. Aber Aigner ist keine, die den Machtkampf suchen würde. Sie sei keine Revolutionärin, keine Putschistin, so beschreibt es ein CSU-Vorstandsmitglied.
Das war schon vor Jahren sichtbar, als Aigner als Nachfolgerin von Horst Seehofer im Amt des Ministerpräsidenten gehandelt wurde – damit war sie automatisch eine Konkurrenz für Söder, der das Amt unbedingt wollte. Aigner verzichtete darauf, in den Kampf zu ziehen. „Ja, dieses Machtbewusstsein, sage ich mal so, das habe ich einfach nicht“, sagte sie einmal. Sie müsse nicht unbedingt etwas haben, um sich selbst wichtig zu fühlen. „Das habe ich definitiv nicht, sondern ich bin mit dem, was ich bin, auch sehr zufrieden.“
