Vom Sanierungsfall zum Superbike
Der Mythos Norton greift wieder an
07.05.2026 – 13:33 UhrLesedauer: 2 Min.
Zweimal pleite, nun der Neustart: Die britische Motorradmarke Norton greift mit indischem Kapital und dem Superbike „Manx R“ wieder an. Die Maschine zielt auf das Luxussegment ab.
Nortons Geschichte ist eine Kette von Abstürzen. Nach Jahrzehnten des Ruhms auf der Isle of Man scheiterten die Briten in den 1970er-Jahren nicht nur an der japanischen Konkurrenz, sondern auch an eigenen Fehlern. 1975 kam die Insolvenz. Ein Wiederbelebungsversuch im Jahr 2008 endete zwölf Jahre später in einem Finanzskandal und der Zwangsverwaltung.
Nortons heute noch klangvoller Name liegt vor allem an der „Tourist Trophy“ (TT) auf der britischen Isle of Man. Seit 1907 rasen dort Motorräder mit 300 km/h und mehr durch enge Dörfer und über Landstraßen, dicht vorbei an Mauern und Hecken. Norton dominierte dieses Rennen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts praktisch nach Belieben. Diese Siege zementierten den Ruf der Marke, die besten Fahrwerke der Welt zu bauen – ein Image, von dem die Marke noch heute zehrt.
Um diesen legendären Ruf zu retten, investierten neue Eigner massiv: Im April 2020 kaufte der indische Konzern TVS die Überreste für 16 Millionen Pfund. In Solihull (England) ließen die neuen Eigentümer ein modernes Werk bauen, strichen die Altlasten und entwickelten die „Manx R“, mit der Norton nun den Angriff auf das Premiumsegment einleitet.
Das Herzstück ist ein V4-Motor mit 209 PS (154 kW). Bei 11.500 Umdrehungen erreicht die Maschine ihre Höchstleistung, das Drehmoment liegt bei 130 Newtonmetern. Auch technologisch lässt die Manx R die Vergangenheit hinter sich: Zur Ausstattung gehören ein 8-Zoll-Touchscreen am Lenker, zehn elektronische Helfer, darunter eine Starthilfe (Launch Control), ein Marzocchi-Fahrwerk, das je nach Preisklasse elektronisch mitarbeitet, sowie Funk-Updates für die Bordsoftware. Die Maschine wiegt fahrfertig etwa 205 Kilogramm.
Norton lässt sich das Comeback teuer bezahlen. Die Basisversion startet bei 23.250 Euro, die „Signature“-Ausführung mit Kohlefaserverkleidung kostet allerdings 43.750 Euro. Das ist der Preis einer soliden Limousine. Der neue Kurs ist damit klar: Norton baut keine Motorräder mehr für jedermann, sondern Luxus für wenige.
