Geringe Auslastung

An den Ladesäulen beginnt der Preiskampf


07.05.2026 – 08:08 UhrLesedauer: 3 Min.

Laden im Expresstempo: Bislang bleibt die Zahl der Abnehmer deutlich hinter dem Angebot zurück. (Quelle: IMAGO/Bernd Feil/M.i.S./imago)

Das Ladenetz für E-Autos wächst schneller als die Zahl der Stromer. Nun sinken die Preise – und kleinere Betreiber geraten unter Druck.

Deutschlands Ladenetz wächst schneller als die Zahl der E-Autos – und das verändert den Markt grundlegend. Betreiber von Schnellladesäulen reagieren inzwischen mit günstigeren Tarifen, Rabattaktionen und neuen Abo-Modellen auf die wachsende Konkurrenz. Nach einer Recherche des Branchenmagazins „Automobilwoche“ sinken die Preise an vielen Schnellladern bereits spürbar. Gleichzeitig geraten kleinere Anbieter zunehmend unter Druck.

Nach Daten des Marktdienstleisters Cirrantic, die der „Automobilwoche“ vorliegen, fiel der durchschnittliche Preis für das Schnellladen seit Herbst 2024 von 75 auf zuletzt 65 Cent pro Kilowattstunde. Mehrere Anbieter haben ihre Tarife zuletzt gesenkt. Fastned reduzierte seine Preise, Electra warb an Ostern mit deutlichen Rabatten, auch Ionity, EnBW und Aral haben ihre Tarifmodelle angepasst.

Der Hintergrund: Die Ladeinfrastruktur wächst derzeit schneller als der Bestand an E-Autos. Laut Bundesnetzagentur waren Anfang April 2026 bundesweit mehr als 51.000 Schnellladepunkte und rund 149.000 Normalladepunkte in Betrieb. Wichtig zu wissen: Bei einem Ladepunkt handelt es sich um einen einzelnen Stromanschluss, nicht um eine Ladesäule. Eine Ladesäule kann mehrere Ladepunkte enthalten.

Entlang vieler Fernstraßen konkurrieren inzwischen mehrere Anbieter auf engem Raum um die Kunden. Branchenkenner sprechen von sogenannten HPC-Clustern – Standorten, an denen mehrere Schnellladeparks nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt liegen. Wer bereits einen Tarif oder eine App eines Anbieters nutzt, fährt häufig gezielt dessen Ladepark an. Deshalb versuchen Betreiber zunehmend, Kunden langfristig über günstigere Abos oder Rabatte an sich zu binden.

Von einem flächendeckenden Zuviel wollen die Betreiber dennoch nicht sprechen. „Auf Langstrecken haben wir mittlerweile eher ein Überangebot“, sagte Ionity-Deutschlandchef Christoph Strecker im Gespräch mit t-online. „In Städten hingegen gibt es deutlichen Nachholbedarf, vor allem für Menschen ohne eigene Lademöglichkeit.“ Hier entstehen zunehmend Schnellladehubs an Supermärkten, Einkaufszentren oder wichtigen Verkehrsachsen. Entscheidend sei inzwischen weniger die reine Zahl der Ladepunkte als deren Verteilung.

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