Die Kritik will aber auch der Ehrenvorsitzende der CSU nicht einfach vom Tisch wischen. Waigel schlägt eine Klausurtagung oder eine Grundsatzkommission vor. Dieser könnten neben Parteivertretern auch Theologen, politische Philosophen und gesellschaftliche Gruppen angehören. Gefragt, ob die CSU neues Personal in der Führung brauche, sagte Waigel: „Dazu habe ich Markus Söder vor einiger Zeit einen Spruch vom Philosophen Max Müller gesagt: ‚Sei so, wie nur du sein kannst, lass aber andere so sein, wie nur sie sein können.‘“
Erwin Huber: Zeit von Ein-Mann-Befehlen vorbei
Und noch ein Söder-Vorgänger fordert, Webers Kritik ernst zu nehmen. Erwin Huber, einst bayerischer Finanzminister und CSU-Vorsitzender, sagte der FAZ, dass die Zeit „von Ein-Mann-Befehlen“ vorbei sei. Webers Brief sei ein Denkanstoß, mit einer Diskussion zu beginnen. Huber schlug Foren in ganz Bayern vor, mit der Senioren-Union und der Jungen-Union und den Bezirksverbänden der CSU. „Wenn wir tolle Erfolge hätten, gäbe es keinen Anlass zur Kritik“, sagt Huber im Bayerischen Rundfunk. „Die Bürger haben die bisherige Form von CSU-Politik, jedenfalls bei der Kommunalwahl, nicht bestätigt.“ Zu viel „Zickzack“ kritisiert er.
Er warnte aber auch davor, die Diskussion nur an Söder festzumachen. „Es wäre falsch und verkürzt, jetzt in erster Linie eine Personaldiskussion zu führen‘, sagte Huber. Es ist nicht das erste Mal, dass Huber Söder Ratschläge gibt. Vor zwei Monaten forderte er, Söder müsse „konstruktiv im Team Merz spielen, statt von der Seitenlinie falsche Einwürfe zu fabrizieren“.
Schon vor dem Weber-Brief hatte es Zeichen für Unmut in der Partei gegeben. In einem Gastbeitrag in der FAZ hatte der CSU-Landtagsabgeordnete Gerhard Hopp vor einer Woche einige der Punkte angesprochen, die auch Weber kritisiert. Söder soll den Beitrag gelobt haben und sich später im Landtag selbstkritischer gegeben haben. Das hielt aber Weber nicht ab, nachzulegen.
Der Landesgruppenvorsitzende im Bundestag, Alexander Hofmann, zeigte sich jedoch kritisch über Webers Brief. „Die CSU ist immer dann erfolgreich, wenn jeder seine Arbeit macht und wir uns keine öffentlichen Briefe schreiben, in denen der eine den anderen erklärt, was in deren Bereich besser laufen sollte“, sagte er der FAZ.
