Überraschender Effekt
Wie sich ein schwankender Blutdruck auf das Gehirn auswirkt
28.05.2026 – 07:22 UhrLesedauer: 2 Min.
Starke Blutdruckschwankungen im Tagesverlauf sind ungesund für das Herz-Kreislauf-System. Zudem könnten sie laut einer neuen Studie dem Gehirn schaden.
Eine kürzlich in der Fachzeitschrift „Neurology“ veröffentlichte Studie hat ergeben: Menschen, deren Blutdruck innerhalb von 24 Stunden stärker schwankt, zeigen eine schlechtere geistige Leistungsfähigkeit. Weitere Befunde legen nahe, dass stark schwankende Blutdruckwerte zu Veränderungen im Gehirn beitragen könnten, die mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden sind.
Nicht jede Schwankung ist bedenklich
Dass sich der Blutdruck ständig verändert, ist völlig normal: Zum einen unterliegt er einem natürlichen Tagesrhythmus, zum anderen steigt oder fällt er unter dem Einfluss innerer Faktoren (wie Hormonen) und äußerer Faktoren (wie Stress und körperlicher Aktivität). Sind die Werte dauerhaft zu hoch, sind Gegenmaßnahmen ratsam. Denn Bluthochdruck (Fachbegriff: Hypertonie) schadet nachweislich der körperlichen und auch der geistigen Gesundheit.
Wie sich hingegen starke Blutdruckschwankungen im Tages- und Nachtverlauf auf die geistige Gesundheit auswirken, ist bislang unklar. Ein Forschungsteam an der Monash University in Melbourne, Australien, wollte daher die Zusammenhänge zwischen der 24-Stunden-Blutdruckvariabilität, den geistigen Funktionen und bestimmten Hinweisen (sogenannten Markern) für die Hirngesundheit in MRT-Aufnahmen des Gehirns untersuchen.
Schon gewusst?
MRT steht für Magnetresonanztomografie, auch Kernspintomografie genannt. Das ist eine bildgebende Untersuchung, bei der (anders als beim Röntgen) keinerlei Strahlenbelastung entsteht.
Studie an 225 Personen im mittleren bis hohen Alter
Für seine Studie nutzte das Team Daten aus der bevölkerungsbezogenen Studie „Brain and Cognitive Health“ (BACH) in Melbourne, Australien. Die aktuelle Untersuchung umfasste 225 demenzfreie Teilnehmer im Alter von 55 bis 80 Jahren, die sich einer Langzeitblutdruckmessung über 24 Stunden sowie weiteren Untersuchungen unterzogen hatten. Dazu gehörten einzelne Blutdruckmessungen, Blutuntersuchungen, neuropsychologische Tests und eine MRT-Untersuchung des Gehirns.
Deutlicher Zusammenhang mit Veränderungen im Gehirn
Nach der Datenanalyse waren stärkere Blutdruckschwankungen mit einer schlechteren allgemeinen geistigen Leistungsfähigkeit und schlechteren exekutiven (beziehungsweise Kontroll-)Funktionen verbunden: Die entsprechenden Tests offenbarten unter anderem Beeinträchtigungen bei der Planungsfähigkeit, der Problemlösungsfähigkeit und der Gedächtnisleistung.
Wenn der Durchschnittswert aus der Langzeitblutdruckmessung höher ausfiel, waren in den MRT-Aufnahmen des Gehirns zudem mehr helle Flecke zu sehen: Das sind Anzeichen einer Hirnschädigung, die für gewöhnlich infolge von Durchblutungsstörungen in kleinen Hirngefäßen entsteht. Bei der 24-Stunden-Blutdruckvariabilität war dieser Zusammenhang nur bei Personen zu beobachten, die ein bestimmtes Risikogen für Alzheimer besitzen: das ApoE4-Gen.
Gut zu wissen
Wer das ApoE4-Gen von beiden Eltern erbt und somit zwei Kopien des Gens erhält, hat ein erhöhtes Risiko, später an Alzheimer zu erkranken. Aber: Nur etwa zwei Prozent der Bevölkerung besitzen zwei Genkopien, was zudem nicht zwangsläufig zur Erkrankung führt. Ein entsprechender Gentest lässt sich anhand einer Blutprobe durchführen.
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