Abnehmspritze & Co.
Trotz starken Gewichtsverlusts kaum bessere Lebensqualität
14.07.2026 – 15:57 UhrLesedauer: 2 Min.
Abnehmspritzen können das Gewicht innerhalb eines Jahres deutlich senken. Eine große Analyse zeigt jedoch: Gesundheitliche Vorteile halten sich in diesem Zeitraum oft in Grenzen.
Abnehmspritzen wie Wegovy (Semaglutid) oder Mounjaro (Tirzepatid) gelten als Meilenstein in der Behandlung von Übergewicht. Eine Auswertung von 262 klinischen Studien hat jedoch gezeigt, dass der starke Gewichtsverlust nicht automatisch mit einer besseren Lebensqualität oder einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht.
Deutlicher Gewichtsverlust, aber auch mehr Nebenwirkungen
Für die in der Fachzeitschrift „BMJ“ veröffentlichte Studie werteten die Forscher Daten von fast 100.000 Erwachsenen mit Übergewicht (BMI über 25) oder Adipositas (BMI über 30) aus. Verglichen wurden 19 bereits verfügbare oder noch in der Entwicklung befindliche Medikamente.
Die stärkste Gewichtsabnahme nach einem Jahr erzielten Tirzepatid (14,9 Prozent) und das noch nicht zugelassene Präparat CagriSema, eine Kombination aus Semaglutid und Cagrilintid (14,8 Prozent). Dahinter folgten unter anderem Semaglutid als Tablette (10,9 Prozent) und als Spritze (9,8 Prozent).
Mit zunehmendem Gewichtsverlust stieg jedoch auch das Risiko für Nebenwirkungen. Besonders häufig traten Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit und ein Verlust an fettfreier Körpermasse (also vor allem Muskelmasse) auf. Außerdem brachen mehr Teilnehmer die Behandlung wegen unerwünschter Wirkungen ab. Nach dem Absetzen der Medikamente blieben die erzielten Verbesserungen in der Regel zudem nicht dauerhaft bestehen – das Gewicht stieg häufig wieder an.
Nur wenige Vorteile für Herz und Lebensqualität
Der zusätzliche gesundheitliche Nutzen fiel nach diesem Zeitraum insgesamt eher gering aus. Keine der untersuchten Therapien verbesserte die Lebensqualität in klinisch relevantem Ausmaß.
Auch beim Herz-Kreislauf-Schutz schnitten nur wenige Medikamente positiv ab. Semaglutid zum Spritzen war das einzige Präparat, das das Risiko für Tod, Herzinfarkt und Herzschwäche senkte. Tirzepatid verringerte ebenfalls das Risiko für Herzschwäche. Einen überzeugenden Schutz vor Nierenversagen zeigte dagegen keines der Medikamente.
Wie ist die Studie einzuordnen?
Die meisten der betrachteten Studien dauerten nur etwa ein Jahr. Wie sich die Abnehmspritzen und -tabletten auf lange Sicht auswirken und welche Risiken damit einhergehen könnten, lässt sich daher nur eingeschränkt bewerten. Auch wenn in sozialen Medien häufig ein anderer Eindruck vermittelt wird, verbessert die medikamentös erreichte Gewichtsabnahme die Lebensqualität in diesem Zeitraum nicht zwangsläufig. Möglicherweise zeigen sich weitere gesundheitliche Vorteile erst in längerfristigen Studien.











