Sind die USA weiter bereit, Europa zu schützen? Bei seinem Besuch in Schweden und Finnland hat der Bundespräsident eine klare Botschaft für die Deutschen.
Kann sich Deutschland noch auf den militärischen Schutz durch die USA verlassen? Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Wochen mehrfach Zweifel daran gesät. Seinem Ärger über die fehlende europäische Unterstützung für den Kriegszug gegen den Iran machte er in wütenden Botschaften auf Social Media Luft: Er sei „angewidert von der Nato“, ätzte Trump und drohte mit dem Austritt aus dem Bündnis, das ja nur ein „Papiertiger“ sei.
Deutschland bestraft der US-Präsident mit einem Teilrückzug amerikanischer Soldaten, weil Kanzler Friedrich Merz öffentlich bekundete, dass der Iran die USA offenkundig demütige. Durch die Hängepartie im Persischen Golf gerät Trump immer stärker unter Druck und scheint deshalb eine noch kürzere Zündschnur zu haben als ohnehin. Europäischen Militärs schwant deshalb Böses für den Nato-Gipfel im Juli in Ankara: Ein Bruch des größten Militärbündnisses der Welt scheint nicht mehr ausgeschlossen zu sein. Die Konsequenzen für die Sicherheit Europas wären verheerend.
Diese Sorge treibt auch die beiden Nato-Neulinge Schweden und Finnland um. Beim Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Stockholm und Helsinki am Mittwoch und Donnerstag standen die Sicherheitspolitik und der Zivilschutz im Vordergrund. Während einer Begegnung mit der Presse positionierte Steinmeier sich auf die Frage von t-online hin, ob er im Fall eines russischen Angriffs auf Nato-Gebiet weiterhin mit amerikanischem Beistand rechne.
Den Amerikanern sei sehr bewusst, dass die Stationierung von Soldaten in Deutschland an Standorten wie Ramstein auch in ihrem eigenen strategischen Interesse liege, sagte der Bundespräsident in Helsinki. „Darauf vertrauen und bauen wir.“ Er riet den Europäern, mit Gelassenheit auf Trumps ständige Kommentare und Ankündigungen zu reagieren. „Meine Empfehlung ist: Wir sollten nicht lamentieren und klagen über jeden Satz, der uns möglicherweise frühmorgens aus Amerika zuflattert, und versuchen, daraus Schlüsse zu ziehen. Die einzig richtige Reaktion darauf ist, uns selbst so stark wie möglich zu machen.“
Auch Finnlands Staatspräsident Alexander Stubb zeigte sich überzeugt, dass die USA ihren europäischen Verbündeten bei einer russischen Aggression zu Hilfe eilen würden: „Ich glaube, dass die US-Sicherheitsgarantien gelten und weiter gelten werden“, sagte er. Die 100 Kilometer von der finnischen Grenze entfernt stationierten russischen Atomwaffen seien in Wahrheit nicht auf Helsinki, Stockholm oder Oslo gerichtet – sondern auf Washington, D.C. und New York.
Stubb lobte Deutschland, das seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 eine führende politische und militärische Rolle in Europa übernommen habe. „Das ist im Interesse ganz Europas. Ein stärkeres Deutschland bedeutet ein stärkeres Europa“, meinte der Präsident. Was die Bundesrepublik jetzt für ihre Verteidigung tue, liege nicht nur im Interesse Deutschlands, sondern der gesamten europäischen Sicherheit.











