Effekt für ältere Jahrgänge deutlich kleiner
Weniger stark profitieren Menschen, die sich bereits dem Ruhestand nähern. Ein heute 55-Jähriger mit 6.000 Euro Bruttogehalt kommt den Berechnungen zufolge auf etwas mehr als 60 Euro zusätzliche Monatsrente. Bei einem Bruttoeinkommen von 4.500 Euro wären es knapp 50 Euro.
Der Unterschied zeigt, wie stark die vorgeschlagene Kapitalrente auf lange Ansparzeiträume angewiesen ist. Wer nur noch wenige Jahre bis zur Rente hat, kann deutlich weniger Kapital aufbauen als jemand, der noch mehrere Jahrzehnte vor sich hat. Trotzdem greift auch für diese Jahrgänge ab 2032 wieder der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor. Dieser führt dazu, dass die Renten langsamer steigen, wenn sich das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern ungünstig verändert.
Die Kommission schlägt deshalb einen steuerfinanzierten Ausgleich vor. „Dieser stellt für die Rentenneuzugänge ab 2032 sicher, dass diejenigen, die vor allem durch eine kurze Ansparzeit noch nicht in ausreichendem Maß von der gesetzlichen Kapitalrente profitieren können, einen Niveauzuschlag erhalten“, heißt es dazu im Abschlussbericht. Damit werde gewährleistet, dass das Rentenniveau für Neurentner künftig mindestens so hoch ausfällt wie heute.
Was die Kapitalrente Arbeitnehmer kosten würde
Die Zusatzrente gäbe es allerdings nicht gratis. Nach den Vorstellungen der Kommission würden die zwei Prozent zusätzlich zu den bisherigen Sozialversicherungsbeiträgen gezahlt. Arbeitnehmer müssten deshalb einen Prozentpunkt ihres Bruttogehalts aufbringen. Die andere Hälfte würde der Arbeitgeber übernehmen.
Der Effekt auf das Nettogehalt fällt jedoch moderat aus: Nach den Berechnungen von Growney würde ein Arbeitnehmer mit 4.500 Euro Bruttolohn netto rund 24 Euro weniger pro Monat zur Verfügung haben. Gleichzeitig würden aber insgesamt 90 Euro monatlich in die Kapitalrente fließen – 45 Euro vom Arbeitnehmer und weitere 45 Euro vom Arbeitgeber.
Es bleiben offene Fragen
Wie hoch die Zusatzrente am Ende tatsächlich ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab. Unklar ist unter anderem, wie das Geld konkret angelegt wird, welche Kosten entstehen und wie die spätere Auszahlung organisiert wird.
Growney hat für seine Berechnungen eine durchschnittliche Rendite von 6,5 Prozent pro Jahr nach Kosten unterstellt. Das entspricht langfristigen Erfahrungswerten breit gestreuter Aktienanlagen. Ob ein staatlich organisierter Fonds eine solche Rendite tatsächlich erreichen würde, lässt sich heute jedoch nicht vorhersagen.
Auch hängt die spätere Rentenzahlung von politischen Entscheidungen ab. Wichtig ist beispielsweise, wie das angesparte Vermögen im Ruhestand in eine lebenslange monatliche Rente umgerechnet wird. Growney hat für die Berechnungen einen sogenannten Rentenfaktor von 35 angesetzt. Das bedeutet: Pro 10.000 Euro angespartem Vermögen werden monatlich 35 Euro Rente ausgezahlt. Wer beispielsweise bis zum Renteneintritt ein Kapital von 100.000 Euro aufbaut, würde bei einem Rentenfaktor von 35 eine monatliche Zusatzrente von 350 Euro erhalten.
