Schwerer Ausbruch
Fast vergessenes Bakterium alarmiert Gesundheitsbehörden
Aktualisiert am 20.05.2026 – 14:13 UhrLesedauer: 2 Min.
Australien vermeldet den schwersten Diphtherie-Ausbruch seit Jahrzehnten. Betroffen sind vor allem indigene Gemeinschaften. Woran liegt das?
In Australien ist den dortigen Gesundheitsbehörden zufolge die früher auch in Deutschland weitverbreitete, aber mittlerweile seltene Diphtherie ausgebrochen. Mehr als 220 Menschen haben sich bereits infiziert, besonders der Norden des Landes ist betroffen. Grund für die Ausbreitung seien vor allem stark gesunkene Impfquoten, berichtete der Sender ABC unter Berufung auf die Regierung in Canberra.
Neue Daten zeigen, dass die Quote der üblichen Schutzimpfungen für Kinder, zu denen auch eine Grundimmunisierung gegen Diphtherie gehört, das fünfte Jahr in Folge gesunken ist. Die Behörden bereiten nun ein Unterstützungspaket vor, um Impfkampagnen auszuweiten und den angespannten Gesundheitssektor zu entlasten.
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Gesundheitsminister Mark Butler sprach von einem „sehr besorgniserregenden“ Ausbruch. „Um das in den richtigen Kontext zu setzen: Wir erfassen die Fallzahlen landesweit seit etwa 35 Jahren, und dies ist mit Abstand der größte Diphtherie-Ausbruch, den wir je erlebt haben“, sagte er. Die Zahl der Erkrankungen liege etwa 30-mal höher als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.
Was ist Diphtherie?
Diphtherie ist eine hochansteckende bakterielle Infektionskrankheit. Bei der respiratorischen Form sind die Atemwege wie Nase und Rachen befallen, während die kutane Diphtherie die Haut betrifft. Die Krankheit verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen oder durch direkten Kontakt mit infizierten Wunden. Trotz Antibiotika sterben laut den Gesundheitsbehörden etwa zehn Prozent der Erkrankten mit schweren Atemwegssymptomen.
Besonders betroffen von dem Ausbruch sind indigene Gemeinschaften im Northern Territory, wo die Menschen oft auf engem Raum leben und Personalmangel im Gesundheitswesen herrscht. Mittlerweile gibt es auch Fälle in anderen Bundesstaaten. Dabei galt die Krankheit in Australien seit den 1950er Jahren als nahezu ausgerottet.
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Todesfall wird untersucht
Rund ein Viertel der Betroffenen mit der gefährlicheren Atemwegsform der Krankheit müsse im Krankenhaus behandelt werden, hieß es. Zudem untersuchen die Behörden derzeit einen möglichen Todesfall. Es wäre der erste Diphtherie-Tote in Australien seit fast zehn Jahren.
Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden 2018 weltweit etwa 16.600 Diphtheriefälle aus 39 Ländern gemeldet. Die mit Abstand meisten Erkrankungen gab es in Indien. In Deutschland treten heute kaum noch Fälle auf. „Man sollte sich sowohl zum eigenen Schutz als auch zur Aufrechterhaltung des Gemeinschaftsschutzes in der Bevölkerung aber weiterhin gegen Diphtherie impfen“, rät das Robert Koch-Institut.










