„Als wären wir 20 Jahre in der Zeit zurückgereist“
Das digitale Moskau ist tot
21.03.2026 – 08:24 UhrLesedauer: 4 Min.
Seit dem 6. März wird in Russlands Hauptstadt das mobile Internet blockiert. Und aus dem digital hochgerüsteten Moskau wird eine Stadt, in der wieder Bargeld, SMS und Festnetz zählen.
Alles, überall und rund um die Uhr: Lange Zeit haben die verwöhnten Moskauer Europa verspottet. Weder in Paris noch in Berlin noch in London bekomme man das geboten, womit die russische Hauptstadt aufwarten könne, so ihr Mantra. Wo sonst könne man um 2 Uhr nachts alles vor die Tür geliefert bekommen, was das Herz begehrt? Jegliches Anliegen mit einem Klick erledigen?
Seit dem 6. März existiert dieses Moskau nicht mehr. Russlands Regierung blockiert das mobile Internet massiv. Begründet wird der Schritt mit „Sicherheitsmaßnahmen“ im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine. Das Resultat: Die digitale Stadt ist tot: Das Taxi ist bestellt, aber nicht mehr auffindbar. Das Navigationsgerät hängt. Die Kassen streiken. Das Parken ist unmöglich. Denn hier ist die Zahlung bislang fast ausschließlich über Apps und QR-Codes erfolgt.
Die Einschränkungen des mobilen Internets greifen inzwischen so tief in den Tagesablauf ein, dass nicht nur gewöhnliche Nutzer betroffen sind, sondern auch Geschäfte, Dienstleister und Behörden. Eine Hauptstadt, die sich über Jahre an digitale Abläufe gewöhnt hat, fällt plötzlich zurück in ein analoges Dasein.
„Es ist, als wären wir etwa 20 Jahre in der Zeit zurückgereist“, sagte eine 28-jährige Moskauerin, die in einem Online-Kosmetikshop arbeitet, der russischen Ausgabe von „Euronews“. „Wir sind so hilflos geworden.“
Ein Taxifahrer klagte: „So war es schon ein oder zwei Jahre lang, aber in den letzten zwei Wochen ist es unerträglich geworden.“ Der 27-Jährige denke über einen Jobwechsel nach, da die essenziellen GPS-Navigationssysteme unvorhersehbar geworden seien.
Tatjana, eine ambulante Pflegekraft, sagte ebenfalls, dass ihre Arbeit durch die Ausfälle von WhatsApp und Telegram zu einem „Albtraum“ geworden sei. „Früher war es sehr praktisch: Die Leute konnten mir Fotos schicken und um Rat fragen.“ Ohne eine mobile Verbindung fühle sie sich wie „ohne Hände.“









