Interner Streit
Rüdiger Lucassen tritt von wichtigem AfD-Posten zurück
Aktualisiert am 13.04.2026 – 16:55 UhrLesedauer: 2 Min.
Seit Monaten brodelt es in der Alternative für Deutschland rund um den Verteidigungspolitiker Lucassen. Jetzt zieht der 74-Jährige Konsequenzen.
Rüdiger Lucassen hat am Montag seinen Rücktritt als verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion erklärt. Das bestätigte er in einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla, das t-online vorliegt. Zuvor hatten Teile der Fraktion seine Abwahl vorbereitet.
Nach Angaben aus Fraktionskreisen sollte am Dienstag im zuständigen Arbeitskreis über Lucassens Ablösung abgestimmt werden. In einem entsprechenden Antrag war von „Vertrauensverlust“, „Alleingängen“ und einem „Führungsdefizit“ die Rede. Mit seinem Rücktritt kam Lucassen dieser Entscheidung zuvor.
In seinem Schreiben begründete Lucassen den Schritt mit den anstehenden Landtagswahlen. Er wolle die Erfolgsaussichten der Partei nicht durch Personaldebatten belasten. Die innerparteiliche Diskussion über seine Positionen sei zuletzt in eine „Freund-Feind-Spirale“ geraten.
Der Rücktritt ist das Ergebnis eines monatelangen Machtkampfs in der Fraktion. Ende 2025 hatte der Fraktionsvorstand bereits ein Ordnungsverfahren gegen Lucassen eingeleitet, nachdem er den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke in einer Bundestagsrede wegen dessen Haltung zur Wehrpflicht öffentlich attackiert hatte.
Im Kern geht es um den Kurs der Partei in der Verteidigungspolitik. Lucassen steht für den westdeutsch geprägten Flügel, der auf Wehrpflicht, Aufrüstung und einen betont staatstragenden Kurs setzt. Dagegen stellen sich vor allem Vertreter aus den ostdeutschen Landesverbänden, die die AfD stärker als Friedenspartei profilieren wollen.
Hinter dem Streit steht auch die Sorge, ein klarer Pro-Wehrpflicht-Kurs könne der Partei vor den Landtagswahlen 2026 in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt schaden.
Zuletzt hatte sich der Konflikt weiter zugespitzt. Am Wochenende griff Lucassen in einem langen Beitrag auf der Plattform X den AfD-Abgeordneten Torben Braga an, einen Vertrauten Höckes. Darin warf er Teilen der Partei einen „Anti-BRD-Sound“ vor und kritisierte, Vertreter wie er würden als Teil eines „Establishments“ diffamiert.
Kritiker Lucassens weisen den Vorwurf zurück, der Konflikt sei allein vom Höcke-Lager gesteuert. Aus dem Arbeitskreis Verteidigung heißt es, ausschlaggebend seien vor allem Führungsstil und Alleingänge gewesen. So habe Lucassen etwa ein Positionspapier zur Bundeswehr im Umfeld der Münchner Sicherheitskonferenz ohne Abstimmung mit dem Gremium veröffentlicht.
Lucassen bleibt weiterhin Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion. Der hessische Abgeordnete Jan Nolte soll den Arbeitskreis Verteidigung zunächst kommissarisch führen. Über die endgültige Neubesetzung muss die Fraktion entscheiden.











