Sieben Jahre hinter dem Zeitplan liegen die Versuche mit autonomen Fahrzeugen in den kommenden Monaten endlich in ganz Europa.
Am Montag unterzeichneten 17 europäische Verkehrsminister gemeinsam mit dem EU-Kommissar für nachhaltigen Verkehr und Tourismus, Apostolos Tzitzikostas, eine Erklärung zur Unterstützung groß angelegter grenzüberschreitender Tests autonomer Fahrzeuge.
Der Schritt zielt darauf ab, das Testen zu erleichtern, indem ein gemeinsamer Rahmen für alle teilnehmenden Länder geschaffen wird.
Es markiert eine Abkehr von fragmentierten nationalen Pilotprojekten hin zu einem koordinierten europäischen Ansatz zum Testen und Vorbereiten autonomer Fahrzeuge für den künftigen Einsatz.
Eine der größten Hürden für die Branche war der Flickenteppich nationaler Vorschriften in Europa. Unterschiedliche Prüfgenehmigungen, Genehmigungsverfahren sowie Straßen- und Datenanforderungen erschweren es Unternehmen, grenzüberschreitende Dienste anzubieten.
Die Erklärung wurde von Frankreich, Deutschland, Italien, Österreich, Belgien, Kroatien, Zypern, Tschechien, Estland, Finnland, Griechenland, Ungarn, Irland, Luxemburg, den Niederlanden, Polen und Schweden unterzeichnet.
Die Initiative konzentriert sich auf Bereiche wie öffentlicher Verkehr, Güterverkehr und Logistik.
Die teilnehmenden Länder werden an gemeinsamen Genehmigungsgrundsätzen und koordinierten Genehmigungsverfahren arbeiten und gleichzeitig groß angelegte Testprojekte in ganz Europa durchführen.
Die Ankündigung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktivität autonomer Fahrzeuge auf dem gesamten Kontinent an Fahrt gewinnt.
Ebenfalls am Montag eröffneten Uber und das britische Startup Wayve eine öffentliche Warteliste für autonome Taxifahrten in London. Es wird erwartet, dass der Dienst innerhalb weniger Monate mit Sicherheitspersonal an Bord eingeführt wird. Dies ist das erste Mal, dass sich die britische Öffentlichkeit für einen Robotaxi-Dienst registrieren kann.
Wo in Europa sind Robotaxis startbereit?
Selbstfahrende Taxis sind in den USA und China bereits in großem Umfang im Einsatz. Jetzt versucht Europa aufzuholen, und große Unternehmen starten auf dem gesamten Kontinent Versuche.
Laut Uber, das am 8. April in der kroatischen Hauptstadt einen der ersten Robotaxi-Tests in Europa startete, entwickelt sich Zagreb zum ersten Markt für kommerzielle Robotaxi-Dienste in Europa. Das Unternehmen tat sich mit dem chinesischen Unternehmen Pony.ai und dem kroatischen Startup Verne zusammen und startete einen Versuch mit rund zehn autonomen Taxis in der Stadt.
Gleichzeitig bereitet sich London auf Tests von drei großen Betreibern in diesem Jahr vor: Waymo, im Besitz von Googles Muttergesellschaft Alphabet; Wayve, in Partnerschaft mit Uber; und Apollo Go, eine Tochtergesellschaft des chinesischen Technologieriesen Baidu.
In Madrid hat das chinesische Unternehmen WeRide einen Test mit Uber angekündigt, während in München Robotaxis mit Technologie des chinesischen Unternehmens Momenta eingesetzt werden sollen.
In der Schweiz hat Apollo Go mit der Schweizerischen Post ein Pilotprogramm durchgeführt, während Stellantis und Pony.ai einen Test in Luxemburg planen.
Ride-Hailing-Plattformen wie Uber, Lyft und Bolt sind bei vielen dieser Projekte zu wichtigen Partnern geworden.
Waymo betreibt nach eigenen Angaben rund 3.000 fahrerlose Taxis in einem Dutzend US-Städten. Apollo Go meldet eine ähnlich große Flotte, die in 27 chinesischen Städten und Dubai im Einsatz ist. Pony.ai verfügt über rund 1.700 Fahrzeuge und will bis Ende 2026 auf 3.500 wachsen, während WeRide rund 1.000 betreibt.
In China und den Vereinigten Staaten haben sich die Flotten fahrerloser Taxis im Jahr 2025 mehr als verdoppelt, auf rund 8.000 Fahrzeuge, die laut International Energy in mehr als zwei Dutzend Städten im Einsatz sind. Bis 2035 wird es laut IEA-Prognosen weltweit zwischen 700.000 und drei Millionen Robotaxis geben.
Bis dahin rechnet das Beratungsunternehmen BCG weltweit mit rund drei Millionen Robotaxis, davon 850.000 in China, 350.000 in den USA und 120.000 in Europa.
Experten sagen, dass Europa die Technologie aufgrund strengerer Sicherheitsvorschriften und einer stärkeren Kultur des öffentlichen Verkehrs langsamer eingeführt hat.
Aber die Dynamik nimmt zu.
„London ist bereit, Madrid auch“, sagte der Experte für autonome Mobilität, Hervé de Tréglodé. „Vielleicht sehen wir bis 2027 einen kommerziellen Dienst.“
