Der Comedian Kurt Krömer hat den Start seiner neuen Tour mit der Aussage verknüpft, AfD-Wähler seien als Gäste unerwünscht. Das löst Diskussionen aus.

Das Land wirkt zunehmend polarisiert – und die Wahlergebnisse der AfD werfen die Frage auf, wie Kultur, Medien und Gesellschaft mit der Partei und ihren Wählern umgehen sollen. So sprach sich Hape Kerkeling zuletzt deutlich für ein AfD-Verbotsverfahren aus und sagte in einem Interview mit dem „Spiegel“ in Richtung seiner prominenten Kollegen: „Sage deine Meinung und sage sie offen und stehe zu dieser Demokratie, solange du es noch kannst.“ Dafür wurde er in sozialen Medien heftig kritisiert, teilweise sogar bedroht.

Kurt Krömer hat nun zu Beginn des Ticketverkaufs für seine neue Lesetour mit drastischen Aussagen eine Diskussion ausgelöst: „Keine Tickets für AfD-Wähler“, sagte er und weiter: „Euer Geld stinkt, genauso wie ihr. Außerdem habe ich keine Lust, auf der Bühne zu stehen und in irgendwelche Schweinegesichter zu gucken.“ Das wirft die Frage auf:

Ist es richtig, wenn Künstler AfD-Wähler von ihren Auftritten ausschließen?

Pro

Janna HalbrothSenior Redakteurin Unterhaltung, Kolumnistin


Ja, es ist ihr gutes Recht

Künstler arbeiten Monate, teilweise sogar Jahre an ihrem Bühnenprogramm. Wenn sie dieses dann dem Publikum vorführen, laden sie gewissermaßen in ihr sinnbildliches Wohnzimmer ein. Dass sie dabei nicht jeden x-beliebigen Menschen dabeihaben wollen, ist gänzlich nachvollziehbar. Ein Comedian kann, ja sollte sogar, klar äußern, für wen er auftreten will – und für wen eben nicht.

Gerade Kurt Krömer, der bei seiner Lesetour aus seinem Buch vorliest, in dem er seine Depressionen thematisiert, muss dies nicht vor Personen tun, deren Einstellung ihm zuwider ist. Wenn er diesen tiefen Einblick in seine Seele nicht jemandem gewähren möchte, der eine gesichert rechtsextremistische Partei unterstützt, dann ist das sein gutes Recht. Krömer zeigt so Haltung. Er stellt seine Überzeugungen über den Profit. Denn mit dem Ausschluss der AfD-Wähler entgehen ihm natürlich auch mögliche Ticketgelder. Daran sollten sich alle Comedians, ja sogar alle Künstler ein Beispiel nehmen.

Der ewige Eiertanz mancher Prominenter, die sich zu politischen Debatten nicht öffentlich äußern, um potenzielle Fans nicht zu vergraulen, ist peinlich und scheinheilig.

Eine ehrliche und offene Art der Kommunikation nützt immerhin auch beiden Seiten.

Kontra

Steven SowaLeitender Redakteur


Nein, das bringt das Land nicht weiter

Kurt Krömers rotzige Art in allen Ehren, aber was er dort sagt, dient lediglich dazu, Aufmerksamkeit für seine Tour zu erzeugen – und bringt sonst niemandem etwas. Worauf liefe seine Ansage denn hinaus? Möchte der Comedian Gesinnungstests am Eingang durchführen lassen? Menschen aufgrund ihres Wahlverhaltens kategorisch auszuschließen, widerspricht jeglichen demokratischen Grundsätzen. Das ist keine ehrenwerte Haltung, das ist plumpe Ideologie.

Das Land ist schon gespalten genug, die Gräben sind tief, die Fronten verhärtet: Kulturprogramme sollten verbindende Momente liefern und Menschen ermöglichen, den eigenen Horizont zu erweitern. Ob es eine Lesung aus einer Biografie ist, ein aktuelles Comedyprogramm oder ein Musikkonzert: Begegnungsstätten fördern das Miteinander, sie führen Menschen zusammen, die sich sonst kaum noch über den Weg laufen – und sie bieten gerade dadurch die Chance, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und Vorurteile abzubauen.

Im besten Fall gelingt es einem Künstler, mit seinen Pointen, Gedankenexperimenten und Thesen ein Umdenken anzustoßen. Ob Konzert- oder Kinobesucher: Besonders nach solchen Ausflügen herrscht reger Austausch – Erlebtes wird reflektiert und verarbeitet. Im Idealfall mit demokratiefördernder Energie.

Was Kurt Krömer tut, ist Filterblasen-Management: Er bestärkt seine ohnehin eher linksorientierten Anhänger in ihrem Denken – und befeuert damit ein „Wir gegen die“.

Aber Unversöhnlichkeit ist keine Haltung und darf nicht zur Handlungsmaxime werden. Sonst wird es eines Tages nur noch „linke“ und „rechte“ Veranstaltungen geben. Der Wahlzettel wird zur Eintrittskarte? Das wäre einer Demokratie unwürdig.

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Moin Leute, Ticketvorverkauf läuft richtig gut an. Danke dafür. Ich wollte mich an dieser Stelle auch nochmal an unsere geistig abgehängten Freunde von der AfD richten. Keine Tickets für AfD-Wähler. Euer Geld möchte ich nicht. Das stinkt genauso wie ihr. Außerdem habe ich keine Lust auf der Bühne zu stehen und in irgendwelche Schweinegesichter zu gucken. Meine Shows sind und bleiben halal. Ja, danke. So, keinem weitersagen, ich habe den Badetag vorgezogen, ich habe eigentlich Samstag, aber ich habe jetzt gesagt, komm, was wir haben, haben wir. So, Top News, hast du gehört jetzt gehts richtig ab. Ich muss morgen zum Arzt gehen, ich muss erstmal gucken, weil ich ja schon sehr alt bin, ob ich prozessfähig bin, weißt du, muss ich mal gucken, wegen der Hüfte und allem. Naja, wie gesagt Leute, bin bisschen müde, hab richtig rausgeballert heute, 50-60 Stories. So, ich wollte noch sagen, jetzt heißt es erstmal abwarten und Chai trinken.

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