„Gewaltfantasien niederträchtigster Art“

Böhmermann-Szene löst Beschwerdeflut aus – ZDF reagiert


15.10.2026 – 09:23 UhrLesedauer: 2 Min.

Jan Böhmermann: Der ZDF-Moderator legt sich regelmäßig mit der AfD an. (Quelle: Christoph Hardt/imago)

Jan Böhmermann wird in seiner ZDF-Show bei einer Fahrt auf der Simson von einem Lkw erfasst. Dem Fernsehrat liegen nun Beschwerden im dreistelligen Bereich vor.

Das ZDF hat sich hinter Jan Böhmermann gestellt. Der Sender verteidigt eine Szene aus dem „ZDF Magazin Royale“, die fast zwei Wochen nach der Ausstrahlung Aufsehen erregt. Beim ZDF-Fernsehrat sind laut Senderangaben inzwischen Programmbeschwerden im unteren dreistelligen Bereich eingegangen.

Den Anstoß gab ein Einspieler, in dem Böhmermann auf einem blauen Simson-Moped mit weißem Helm von einem Lastwagen erfasst wird. Eine Anspielung auf den AfD-Politiker Ulrich Siegmund, der im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt ebenfalls auf einer blauen Simson-Schwalbe mit weißem Helm unterwegs war.

Siegmund selbst äußerte sich am Mittwoch im Landtag in Magdeburg zu der Aufregung um den Böhmermann-Clip und sprach von „Gewaltfantasien niederträchtigster Art“.

„Ironische Mehrdeutigkeit als Stilmittel“

Das ZDF sieht das anders. Das „ZDF Magazin Royale“ setze sich satirisch mit aktuellen Themen auseinander, erklärte eine Sendersprecherin. Dazu gehöre auch, „ironische Mehrdeutigkeit als Stilmittel zu nutzen, um Pointen zu erzeugen“. Außerdem verwies der Sender darauf, dass das Motiv der „politisierten Marke Simson“ die gesamte Sendung durchzogen habe, ohne auf bestimmte Personen Bezug zu nehmen. Das Gefährt sei auch im sogenannten „Cold Opener“ zu Staffelbeginn aufgetaucht.

Solche besonderen Einstiege gibt es laut ZDF bei der jeweils ersten Sendung einer Staffel. Böhmermann sei dabei in der Vergangenheit bereits bei verschiedenen Aktionen „verunglückt“. Der Sender teilte zudem mit, dass geprüft werde, ob ein sogenanntes Mehrfachbeschwerdeverfahren eingeleitet wird.

Auch Jan Böhmermann selbst nahm am Mittwoch Bezug auf den Wirbel – und kritisierte die künstliche, seiner Meinung nach politisch motivierte Aufregung. Das „ZDF Magazin Royale“ hatte sich am 2. Oktober unter dem Titel „Wie die Kirche im Osten die AfD bekämpft“ der Rolle der Kirchen in Ostdeutschland gewidmet. Eines Tages komme hoffentlich jemand darauf, „dass es die Kernstrategie rechtsextremer Alternativmedien ist, rechtsextremen Lügenquatsch im Internet zu verbreiten, so Empörung zu schüren und darauf zu setzen, dass ’normale Medien‘ alles einfach unkritisch abschreiben“, schrieb er auf seinem Instagram-Account.

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