Der CSU-Abgeordnete Peter Aumer sagte, bei Eurotransplant, einem grenzüberschreitenden Verbund für die Vermittlung von Organspenden, sei Deutschland das einzige Land ohne Widerspruchslösung. „Deshalb sind wir Schlusslicht bei den Organspendezahlen.“ So habe Österreich doppelt so hohe und Spanien dreimal so hohe Zahlen. Aumer wies darauf hin, dass in den deutschen Transplantationszentren 2025 insgesamt 3.256 Organe nach postmortaler Spende transplantiert, aber nur 3.020 Organe in Deutschland entnommen wurden. „Wir sind Nettoempfänger, wie profitieren in Deutschland von der Widerspruchslösung und schließen die aber gleichzeitig aus.“
Am Vortag hatte bereits eine weitere Gruppe – ebenfalls aus Abgeordneten von CDU, CSU, SPD, Linken und Grünen – vor einer Widerspruchsregelung gewarnt. Diese wäre ein „Grundrechtseingriff“, so diese Parlamentarier. Der CDU-Abgeordnete Michael Brand, der den fraktionsübergreifenden Antrag für mehr freiwillige Organspenden mitinitiiert hatte, mahnte: „Wenn fast überall, wie im Internet, bei Datenschutz, Verträgen und anderen zurecht die aktive Zustimmung, also ein ausdrückliches Ja, die Voraussetzung ist, dann kann es ja wohl ausgerechnet beim eigenen Körper nicht sein, dass jeder, der nicht Nein sagt, vom Staat zum Organspender erklärt wird.“ Verbessert werden müssten jedoch Möglichkeiten zur Abgabe einer Erklärung, zum Beispiel in Bürgerämtern. Grau hingegen versicherte: „Niemand wird gegen seinen Willen zum Organspender oder zur Organspenderin.“
Somit steuert der Bundestag erneut auf eine ethische Debatte im Plenum zu, bei der die im normalen Politikbetrieb üblichen Fraktionsgrenzen nicht zählen. Dittmar sagte, angestrebt sei die erste Lesung des Antrags ihrer Gruppe vor der Sommerpause, eine Entscheidung vor Jahresende. Wegen langer Übergangsfristen zur breiten Information der Menschen solle das Gesetz dann am 1. Januar 2030 „scharf geschaltet“ werden.
Ein erster Anlauf für eine Widerspruchslösung war 2020 im Bundestag gescheitert. Dittmar sagte, sie gehe aber davon aus, dass viele Abgeordnete ihre Meinung geändert hätten und es in den beteiligten Fraktionen ausreichende Mehrheiten gebe. Auf die AfD will die Gruppe in der Frage nicht zugehen. Unterstützung erhoffen sich die Anhänger der Widerspruchslösung von den Ländern. Denn im vergangenen Jahr hatte der Bundesrat einen Gesetzentwurf zu ihrer Einführung eingebracht.









