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Bundeskanzler Friedrich Merz hat Defizite in der konservativ-sozialdemokratischen Koalition eingeräumt und angekündigt, seinen politischen Kurs künftig klarer kommunizieren zu wollen.

Auf dem Deutschen Katholikentag in Würzburg sagte der CDU-Chef, Streit gehöre zwar zur Demokratie, müsse aber zu Ergebnissen führen. Derzeit werde möglicherweise zu viel argumentiert und zu wenig erreicht, sagte er.

Die Bundesregierung plant noch vor der Sommerpause ein Reformpaket zu Steuern, Arbeitsmarkt, Renten und Bürokratieabbau. In den letzten Wochen kam es jedoch immer wieder zu Konflikten innerhalb der konservativ-sozialdemokratischen Koalition.

Auch Kommunikationsmängel räumte die Kanzlerin ein. Er beschäftige sich zunehmend mit der Frage, warum es ihm offenbar nicht ausreichend gelinge, die Menschen vom Kurs der Bundesregierung zu überzeugen. Er wisse, dass er seine Kommunikation verbessern müsse, damit seine Botschaften besser verstanden würden, sagte Merz während einer Podiumsdiskussion beim Katholikentag in Würzburg, bei der vor allem junge Menschen Fragen stellten.

Laut der ARD-Umfrage „Deutschlandtrend“ von letzter Woche sind auch ein Jahr nach Amtsantritt nur noch 13 Prozent der Befragten mit der Arbeit der Regierung zufrieden. Auch die eigenen Einschaltquoten des Kanzlers sind im ersten Jahr seiner Amtszeit stark gesunken und liegen nun bei nur noch 16 %.

Mit Zwischenrufen und Pfiffen störten Klimaaktivisten die Podiumsdiskussion mit Merz.

Die über 1.000 Zuschauer im Saal verfolgten zunächst einige Minuten geduldig die Situation, forderten dann aber die rund vier Demonstranten auf, den Raum zu verlassen. Sicherheitspersonal begleitete eine Frau aus dem Saal, während ein anderer Aktivist freiwillig ging. Anschließend konnte die Veranstaltung fortgesetzt werden.

Merz betonte, dass viele Menschen in Deutschland bereits sehr hart arbeiteten. Gleichzeitig sind die Lebens- und Jahresarbeitsstunden niedriger als in vielen anderen Industrieländern.

„Gemeinsamer Vorstoß“

Merz sagte, er wolle einen „kollektiven Vorstoß“ auslösen, um das Land aus seiner aktuellen schwierigen Situation zu führen.

Jugendvertreter forderten die Kanzlerin auf, junge Menschen stärker in politische Entscheidungen einzubeziehen und sie nicht als Faulpelze abzustempeln. Merz entgegnete, in seiner Partei habe niemand gesagt, die Menschen in Deutschland seien faul. Gleichzeitig räumte er erneut ein, dass er seine Kommunikation verbessern müsse.

Er betonte, dass er angesichts der großen Herausforderungen Optimismus vermitteln und die Zuversicht stärken wolle, dass die Probleme gelöst werden können, er seine Positionen aber künftig noch klarer darlegen müsse.

Neue Kritik an den USA

Merz äußerte auf dem Katholikenkonvent erneut Kritik an den USA und sagte, seine Bewunderung für das Land wachse derzeit nicht. Er fügte hinzu, dass er seinen eigenen Kindern nicht mehr raten würde, in die USA zu gehen: „Ich würde meinen Kindern heute nicht raten, in die USA zu gehen, dort eine Ausbildung zu machen und dort zu arbeiten. Ganz einfach, weil sich dort plötzlich ein besonderes soziales Klima entwickelt hat.“

Deutschland, sagte er, biete eine soziale Marktwirtschaft und keinen uneingeschränkten Kapitalismus. Viele junge Menschen, darunter auch hochqualifizierte Talente, haben derzeit Schwierigkeiten, in den USA einen Arbeitsplatz zu finden.

Später am Nachmittag postete er auf Social Media X, dass er mit US-Präsident Donald Trump telefoniert habe.

Er schrieb: „Ich hatte ein gutes Telefonat mit Donald Trump auf seiner Rückreise aus China. Wir sind uns einig: Iran muss jetzt an den Verhandlungstisch kommen;

Es ist unklar, ob Trump diese Äußerungen zum Zeitpunkt des Telefonats bereits kannte. Als Merz das letzte Mal vor jungen Menschen über die USA sprach, reagierte der US-Präsident scharf, was zu jüngsten Spannungen in den Beziehungen zwischen beiden führte. Trump schrieb damals auf seiner Plattform Truth Social, Merz wisse nicht, wovon er spreche, und es sei keine Überraschung, dass es Deutschland sowohl wirtschaftlich als auch insgesamt schlecht gehe.

Zuvor, im April, hatte Merz den Schülern einer nordrhein-westfälischen Schule im Zusammenhang mit den USA erklärt, dass eine ganze Nation von der iranischen Führung gedemütigt werde.

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