Zeugen könnten gelogen haben
Mann lebendig in Auto verbrannt – Kripo hat neue Spur
16.09.2026 – 11:25 UhrLesedauer: 2 Min.
An seinem Lebensende hat Süleyman D. noch einmal Glück und gewinnt viel Geld. Dann stirbt er einen grausamen Tod. Jetzt hat die Polizei neue Hoffnung.
Wird der Mord an Süleyman D. fast zwölf Jahre nach der Tat doch noch aufgeklärt? Wie Polizei und Staatsanwaltschaft Münster am Mittwoch mitteilten, besteht neue Hoffnung. Demnach rollten die Beamten den Fall 2025 als sogenannten Cold Case neu auf und richteten eine Mordkommission am Polizeipräsidium Münster ein.
Fortschreitende Technik, bessere Auswertungsmöglichkeiten und neue Ermittlungsergebnisse hätten zu neuen Spuren und Erkenntnissen geführt, heißt es. Danach besteht der Verdacht, dass Zeugen sich damals „nicht wahrheitsgemäß geäußert“ haben.
- Ärger im Mordfall Fabian: „Eine Unverschämtheit“
Der Fall: Süleyman D. lebte noch, als sein Auto angezündet wurde
Die Leiche von Süleyman D. war am Aschermittwoch 2015 in seinem ausgebrannten Mercedes am Dortmund-Ems-Kanal in Greven (Kreis Steinfurt) gefunden worden. Eine Joggerin hatte das Auto entdeckt. Die Leiche des 44-jährigen Familienvaters lag auf dem Rücksitz, sie war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Die Obduktion ergab: D. hatte noch gelebt, als sein Auto in Brand gesetzt wurde. Der Verdacht der Ermittler ging schnell in Richtung Raubmord.
10.000 Euro im Wettbüro gewonnen
Der geschiedene 44-Jährige war in psychiatrischer Behandlung gewesen, weil er mit der Trennung von seiner Frau nicht zurechtgekommen war. Kurz vor seinem Tod hatte er noch einmal Glück: In einem Wettbüro gewann er 10.000 Euro. D. kaufte sich ein neues Handy, traf sich mit einer Bekannten und wollte dann zur Bank, um mit dem Rest des Geldes einen Kredit abzulösen.
Doch seinen Banktermin nahm er nicht mehr wahr. Stattdessen verlor sich seine Spur nach dem Treffen mit der Bekannten.
Sichern sich die Zeugen nun ihre Belohnung?
Schnell gerieten zwei Männer aus Lengerich und Münster ins Visier der Ermittler. Die beiden Männer wurden festgenommen und kamen in Untersuchungshaft. Im Juni 2015 hob das Oberlandesgericht Hamm die Haftbefehle jedoch auf: Das Gericht hatte Zweifel an einem dringenden Tatverdacht.
Spielten hierbei eventuell die mutmaßlich lügenden Zeugen eine Rolle? Die Staatsanwaltschaft möchte sich auf Nachfrage von t-online dazu nicht näher äußern. Nur so viel: Eine Strafe für eine mögliche Falschaussage müsse mittlerweile niemand der damals Vernommenen noch fürchten. „Diese falschen Angaben wären mittlerweile verjährt“, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.
Die Hoffnung ist, dass Menschen, die damals möglicherweise aus familiärer oder freundschaftlicher Verbundenheit die Unwahrheit sagten, sich jetzt, nach mehr als zehn Jahren, der Polizei öffnen – vielleicht auch aus finanziellem Interesse: Für Hinweise, die die Ermittler weiterbringen, winkt eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro. Diese wurde bereits 2017 von der Staatsanwaltschaft ausgelobt. Jetzt weisen die Ermittler noch einmal deutlich darauf hin: „Diese Belohnung gilt weiterhin.“
