Start-ups statt Staatsanleihen

So riskant ist Reiches Rentenplan


04.08.2026 – 12:09 UhrLesedauer: 5 Min.

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Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU): Milliarden für Start-ups – darf der Staat dafür Rentengelder einsetzen? (Quelle: IMAGO/imago)

Mit Rentenbeiträgen deutsche Start-ups finanzieren? Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will die Altersvorsorge und den Wirtschaftsstandort zugleich stärken. Doch Experten warnen vor den Risiken.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will einen Teil der geplanten kapitalgedeckten Rentenversicherung künftig in deutsche Start-ups investieren. Die Idee dahinter: Höhere Renditen sollen die Altersvorsorge stärken und zugleich den chronischen Kapitalmangel junger Technologieunternehmen lindern. Als Vorbilder nennt sie unter anderem Schweden und die USA.

Doch solche Venture-Capital-Investments gelten als besonders risikoreich. Kann der Staat Rentenbeiträge in Start-ups investieren, ohne die Altersvorsorge der Bürger aufs Spiel zu setzen?

Schweden macht es vor – Deutschland bislang nicht

Schwedische und US-amerikanische Pensionsfonds investieren seit Jahren in Aktien und Venture-Capital, also Risikokapital für junge Unternehmen. Anders als etablierte Konzerne schreiben viele Start-ups zunächst Verluste und benötigen über Jahre frisches Kapital.

  • Blick nach Schweden: Diese Ergänzung zur Rente könnte vieles verändern

Nach Angaben von Katherina Reiche erzielten schwedische Pensionsfonds damit in den vergangenen Jahren Renditen zwischen sieben und zehn Prozent. Die Erträge kommen den Rentnern zugute. Deutsche Pensionsfonds, die ausschließlich der betrieblichen Altersvorsorge dienen und nichts mit der gesetzlichen Rentenversicherung zu tun haben, schneiden laut Reiche deutlich schlechter ab. Ihre durchschnittliche Rendite liege derzeit bei minus 0,6 Prozent. Höhere Erträge aus Start-up-Beteiligungen sollen das ändern.

Deutschlands Start-ups fehlt das große Geld

Branchenvertreter beklagen seit Jahren, dass Deutschland und Europa zu wenig Wachstumskapital für junge Unternehmen bereitstellen. Das berichtete unter anderem das „Handelsblatt“. Der Digitalverband Bitkom warnt, dass vielen Technologieunternehmen in der Wachstumsphase das Geld ausgeht oder sie ins Ausland abwandern. Deshalb richtet sich der Blick immer wieder auf große Altersvorsorgeeinrichtungen.

Eine Studie von KfW Research zeigt jedoch, dass Versicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds den deutschen Venture-Capital-Markt weitgehend meiden. Obwohl institutionelle Anleger hierzulande mehr als 2,8 Billionen Euro verwalten, fließen lediglich rund 400 Millionen Euro in Start-ups. Als Gründe nennt die Studie die hohe Volatilität, also die Schwankungsanfälligkeit, fehlende Erfahrung sowie unsichere Renditeaussichten.

Während Pensionsfonds in den USA zu den wichtigsten Geldgebern für Venture-Capital zählen und Billionen bewegen, spielen deutsche Pensionsfonds bei der Finanzierung heimischer Start-ups bislang statistisch kaum eine Rolle.

Zalando-Logo auf Firmengebäude: Das Berliner Modeunternehmen ist eines der bekanntesten Beispiele für ein deutsches Start-up, das vom privaten „Einhorn“ zum milliardenschweren Börsenkonzern gegangen ist. (Quelle: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa/dpa-bilder)

Eine Idee, zwei Probleme zugleich zu lösen

Mit ihrem Vorschlag verfolgt Reiche zwei Ziele zugleich. Zum einen soll eine kapitalgedeckte Rente höhere Erträge erwirtschaften und so das durch den demografischen Wandel belastete Rentensystem stabilisieren.

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