Wohnungskrise
Linke greift Vonovia an – Konzern reagiert
11.09.2026 – 03:55 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Linke plant eine Kampagne gegen Deutschlands größten Wohnungskonzern. Der Konzern reagiert mit scharfer Kritik auf die Politik der Partei.
Gerade erst ist bekannt geworden, dass sich der Vorstand des Wohnungskonzerns Vonovia mit der Parteispitze der Linken im Oktober zu einem Gespräch treffen wird. Nun legt die Linke einen Plan vor, wie sie ihre Kampagne gegen Deutschlands größten Wohnungskonzern noch einmal verschärfen will. „Vonovia steht auf besonders schäbige Weise für ein Geschäftsmodell, das aus dem Grundbedürfnis Wohnen möglichst viel Rendite herauspressen will“, heißt es in einem Papier von Parteichef Luigi Pantisano, das t-online vorliegt.
Pantisano argumentiert in seinem Papier, der Konzern stehe exemplarisch für ein Geschäftsmodell, bei dem Wohnen nicht mehr als Teil der Daseinsvorsorge, sondern als reines Rendite- und Profitgeschäft betrachtet werde. Seit Mai 2026 führt die Partei deswegen Befragungen von Vonovia-Mietern durch. 674 Personen hätten sich dabei an die Partei mit Problemen gewendet, teilte die Linke nun mit. Demnach geben die Menschen als Grund vor allem Mängel an, beispielsweise Schimmel, Wasserschäden oder kaputte Aufzüge. Danach folgten als Grund die Miethöhe, vor allem falsch begründete Mieterhöhungen, sowie Nebenkosten.
Pantisano: „Über Wochen immer neue Kapitel öffnen“
Diese Rückmeldungen seien nun der Anlass, um die „Geschäftspraktiken des Konzerns systematisch unter die Lupe zu nehmen“, schreibt Pantisano. „Die Linke startet deshalb die nächste Phase ihrer Auseinandersetzung mit Vonovia“, schreibt er. Es gehe nicht darum, Einzelfälle ungeprüft zu verallgemeinern, sondern öffentlich Druck zu machen, wo sich Missstände belegen lassen. „Was wir wollen: Aufdecken. Prüfen. Systematik herstellen. Druck aufbauen. Gemeinsam gegen Miet-Abzocke vorgehen“, heißt es weiter.
Die Partei will dazu die Beschwerden der Mieter systematisch auswerten und zu jedem einzelnen Problem, das sich aus Sicht der Partei als ein strukturelles erweist, Aktionen veranstalten. Denkbar seien etwa lokale Presseaktionen mit Betroffenen, Haustüraktionen oder Vor-Ort-Termine mit der Parteiführung. Das werde gebündelt mit bundespolitischen Forderungen zum Mietrecht und zur Begrenzung von Mieten. „Statt einmalig einen großen Vorwurf zu formulieren, soll die Kampagne über Wochen immer neue Kapitel öffnen“, schreibt Pantisano. Vonovia solle wissen: Wenn Mieter Probleme melden, schaue die Linke hin.
Vonovia-Sprecherin: „Das hilft den Mietern nicht weiter“
Eine Vonovia-Sprecherin teilte t-online mit, die scharfen Angriffe der Linken würden die Debatte immer weiter zuspitzen und dass das auch Mitarbeiter vor Ort zu spüren bekämen. „Das hilft den Mietern in Berlin aber nicht weiter. Neue Wohnungen, die ähnliche Mieten wie bei Vonovia haben, hingehen schon“, sagte Nina Henckel.
Die Linke macht insbesondere vor der Wahl in Berlin am 20. September mit dem Thema bezahlbare Mieten offensiv Wahlkampf. Dabei verspricht sie etwa, große Wohnungskonzerne – allen voran Vonovia – in der Hauptstadt enteignen zu wollen. Der Vorstand hatte sich auch deswegen schon Ende Mai mit einem Brief an den damaligen Parteichef Jan van Aken gewandt und zu einem Gespräch geladen. Nun steht mit dem 13. Oktober ein Termin. Zuerst hatte der „Spiegel“ berichtet, das Schreiben dazu liegt auch t-online vor.