Illner konfrontierte Laschet auch mit der Selbstkritik, die Bundeskanzler Friedrich Merz nach der Wahl geäußert hatte. Nach der historischen Niederlage seiner Partei in Sachsen-Anhalt hatte Merz unter anderem erklärt: Bei der Frage, wie man besser werden könne, gehe es nicht nur um rationales Politikverständnis, sondern auch um Zuwendung, Empathie und Emotionen. „Solche Formulierungen sind furchtbar”, erklärte Laschet. Wenn es eine Strategie gebe, rede man nicht darüber, sondern solle einfach machen, so der CDU-Mann. „Ich kann diese ganzen Sprüche auch seit der Wahl nicht mehr hören“, fügte er hinzu.
Özdemir widerspricht Laschet
An anderer Stelle nahm er den Kanzler jedoch in Schutz, der nach der Landtagswahl auch eingeräumt hatte, dass viele Menschen ihm nicht folgen könnten und er in diesem Punkt Dinge besser machen müsse. Dass Merz seinen Beitrag zum Wahlergebnis anerkenne und seinen Stil ändern wolle, sei „eigentlich ehrenwert“, so der Ex-CDU-Chef. Was am Wahlsonntag in Sachsen-Anhalt passiert sei, hätte theoretisch auch vor fünf Jahren schon passieren können, während er noch Bundesvorsitzender war, erklärte Laschet. „Das ist ein wenig Glück gewesen“, dass es damals anders gekommen sei, räumte er ein. Die Probleme, die es derzeit gebe, hätte jeder im Moment, so seine Analyse.
Alexander: Merz muss Blatt wenden oder gehen
„Das ist ganz ungewöhnlich“, befand Journalist Robin Alexander über Merz‘ selbstkritischen Auftritt nach der Wahl. Ob es ein politisch kluger Schachzug gewesen sei, wisse er nicht, erklärte er weiter. Dem Kanzler müsse es nun gelingen, Änderungen umzusetzen. In Krisen könnten Politiker Kabinette verändern oder ihr persönliches Umfeld neu besetzen – der CDU-Chef habe diese Optionen jedoch schon ausgeschöpft, erinnerte Alexander. „Jetzt steht zwischen Friedrich Merz und dem Scheitern nichts mehr – er muss das Blatt wenden oder er wird gehen“, so der Journalist.
Trotz motivierender Worte Özdemirs in Richtung CDU: Zu einer Meinungsverschiedenheit mit Laschet kam es bei Illner im Studio dann doch. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine bemängelte der CDU-Mann einen Mangel an diplomatischen Bemühungen. „Es scheitert jetzt wirklich nicht an uns“, widersprach Özdemir. „Doch“, antwortete Laschet und verwies darauf, dass unter europäischen Regierungschefs lediglich der finnische Präsident bereit sei zu verhandeln. Ob er im Ernst glaube, dass Merkel, Scholz und Merz eine Chance den Krieg zu beenden hätten verstreichen lassen, schaltete sich Journalist Alexander ein. „Das teile ich sehr“, pflichtete ihm Özdemir bei. Laschet ließ sich nicht überzeugen. Er könne keine politischen Positionen erkennen, erklärte er.