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Home » Krankmeldungen in Deutschland: Analyse rückt Europa-Vergleich zurecht
Gesundheit

Krankmeldungen in Deutschland: Analyse rückt Europa-Vergleich zurecht

MitarbeiterBy MitarbeiterMärz 30, 2026
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Krankmeldungen in Deutschland: Analyse rückt Europa-Vergleich zurecht

Häufiger krank als andere Länder?

Analyse widerspricht der Debatte um Rekordausfälle


30.03.2026 – 15:36 UhrLesedauer: 4 Min.

Beim Arzt: Ein hoher Krankenstand muss keine geringere Produktivität bedeuten.Vergrößern des Bildes

Beim Arzt: Ein hoher Krankenstand muss nicht auch eine geringere Produktivität bedeuten. (Quelle: Unaihuiziphotography/getty-images-bilder)

Die Zahl der Krankmeldungen in Deutschland löst seit Monaten Diskussionen aus. Doch eine neue Analyse zeigt: Im Europavergleich schneidet Deutschland weniger schlecht ab als oft dargestellt.

In Deutschland fehlen Beschäftigte je nach Datengrundlage krankheitsbedingt im Schnitt zwischen 14 und 19 Tage pro Jahr. Bundeskanzler Friedrich Merz kritisierte zu Beginn des Jahres die hohe Zahl der Krankentage und stieß damit eine bundesweite Debatte an. Auch Forderungen nach weniger telefonischen Krankschreibungen oder sogenannten Karenztagen – unbezahlten Krankheitstagen zu Beginn einer Erkrankung – wurden lauter.

Doch eine aktuelle Analyse des Instituts zur Fortbildung von Betriebsräten (ifb) und Data Pulse Research zeigt: Deutschland liegt im europäischen Vergleich keineswegs an der Spitze. Grundlage der Untersuchung sind standardisierte Befragungen von Beschäftigten durch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Befragung umgeht nationale Unterschiede in Krankheitserfassung

Ein zentrales Problem beim Vergleich von Krankentagen zwischen Ländern liegt laut ifb in der unterschiedlichen Erfassung. Nationale Krankenkassen zählen meist offiziell gemeldete Fälle, etwa wenn eine ärztliche Bescheinigung vorliegt. In Deutschland hat sich diese Erfassung durch die elektronische Krankschreibung (eAU) seit 2022 deutlich verändert: Auch kurze Erkrankungen werden nun automatisch an die Kassen übermittelt, während sie früher oft gar nicht auftauchten. Darin könnte laut der Analyse ein wichtiger Grund für den Anstieg der Krankmeldungen in Deutschland liegen.

Die OECD geht deshalb einen anderen Weg. Sie befragt Beschäftigte direkt zu ihren Fehlzeiten im Rahmen sogenannter Arbeitskräfteerhebungen. Diese standardisierte Methode gilt als besonders verlässlich, weil sie nationale Unterschiede in den Meldesystemen ausgleicht. So entsteht ein realistischeres Bild davon, wie oft Menschen tatsächlich fehlen, unabhängig davon, wie streng oder digital ein Land Krankmeldungen erfasst.

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Deutschland liegt bei Krankentagen im Mittelfeld

Laut der Analyse kommt Deutschland auf etwa 3,6 Wochen Krankheitszeit pro Jahr und landet damit auf Platz sieben in Europa. Länder wie Norwegen oder Finnland liegen deutlich darüber, mit bis zu sechs beziehungsweise fünf Wochen. Auch Spanien (4,9 Wochen), Slowenien (4,7 Wochen), Portugal (4,1 Wochen) und Frankreich (4,1 Wochen) liegen vor Deutschland. Der europäische Durchschnitt beträgt rund 2,6 Wochen.

Auffällig ist: Länder mit den niedrigsten Fehlzeiten sind Rumänien (0,1 Wochen), Griechenland (0,2 Wochen), Bulgarien (0,4 Wochen), Ungarn (0,8 Wochen) und Italien (0,9 Wochen). Sie gelten oft als wirtschaftlich schwächer.

Unbezahlte Karenztage zeigen kaum Wirkung

Auch die Idee, Fehlzeiten durch unbezahlte Krankheitstage zu senken, überzeugt laut den Daten nicht. Der Vergleich zwischen europäischen Ländern zeigt kein klares Muster: Staaten mit strengen Regeln haben teils höhere Fehlzeiten als Länder mit großzügiger Lohnfortzahlung.

Ein Beispiel: In Spanien bleiben die ersten drei Krankheitstage in der Regel unbezahlt, trotzdem fehlen Beschäftigte dort fast fünf Wochen pro Jahr. In Litauen hingegen erhalten Arbeitnehmer volle Lohnfortzahlung und fehlen im Schnitt nur 1,5 Wochen.

Telefonische Krankschreibung kaum relevant

Ein weiterer Kritikpunkt ist die telefonische Krankschreibung. Doch auch hier relativieren die Daten die Debatte. Wie das ifb berichtet, erfolgt nur rund ein Prozent aller Krankmeldungen per Telefon oder Videosprechstunde. Der Einfluss auf den Krankenstand ist damit minimal.

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