Von Franziska Müller
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Ein israelischer Reisender versuchte, ein Hotel in Bayern zu buchen, wurde jedoch abgewiesen. Als Grund wurde laut einem in den sozialen Medien kursierenden Screenshot angegeben, dass sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft abgelehnt wurden. Der Fall wird nun von den Justizbehörden geprüft und die Plattform Booking.com hat das Hotel aus ihren Einträgen entfernt.
Nach Angaben des Bundeskriminalamtes (Quelle auf Deutsch)) erreichten antisemitische Straftaten im Jahr 2024 einen neuen Höchstwert: 6.236 Vorfälle wurden registriert, darunter 173 Gewaltdelikte.
Antisemitische Reaktion aus einem bayerischen Hotel
Der israelische Generalkonsul für Süddeutschland ist empört. „Sind wir zurück in den 1930er Jahren? Ein Hotel antwortete einem Israeli wie folgt: ‚Tut mir leid, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt‘“, schrieb Talya Lador (Quelle auf Deutsch) auf der X-Plattform. Sie fügte hinzu, dass sie erfreut sei, dass der Anbieter Booking.com das Hotel von seiner Homepage verbannt habe.
Auch der Münchner Professor Guy Katz äußerte sich in einem LinkedIn-Beitrag schockiert (Quelle auf Deutsch). Ihm zufolge lief die anschließende Erklärung des Hotels wie folgt ab: Man sei mit einer Vielzahl gefälschter Buchungen überhäuft worden, schreibt der Professor. Katz räumt ein, dass eine unter Druck verfasste E-Mail durchaus unhöflich wirken kann. „Vielleicht vergesse ich eine Begrüßung. Vielleicht antworte ich zu kurz“, erklärt er.
Seiner Ansicht nach war die Reaktion des Hotels jedoch nicht aus Stress, sondern aus Antisemitismus entstanden: „Es muss sich erst im Kopf bilden. Oder es war immer tief verankert. Und genau das ist das Problem. Nicht 1938. Nicht irgendwo im Internet. Gestern. In Bayern“, betont Katz.
Komplexer Hintergrund
Auch die Buchungsplattform, auf der das Hotel gelistet war, reagierte schnell und nahm das bayerische Hotel aus dem Vertrieb. Medienberichten zufolge bestritt das Hotel zunächst, dass es zu dem Vorfall gekommen sei. Letztlich wurde jedoch eingeräumt, dass ein Mitarbeiter für den Versand der Nachricht verantwortlich gewesen sei. Briefe wurden sowohl an die betroffene Familie als auch an die Bayerische Staatskanzlei geschickt. Das Hotel bot der israelischen Familie außerdem einen kostenlosen einwöchigen Aufenthalt an.
Der Fall wurde Berichten zufolge an das Bayerische Justizministerium weitergeleitet, wo er mit Hilfe des Beauftragten für Antisemitismusbekämpfung geprüft werden soll. Ein möglicher Vorwurf ist Volksverhetzung nach § 130 StGB. Ob der Fall vor Gericht kommt, ist noch unklar.
Noch ein Bericht (Quelle auf Deutsch) verurteilt die Aussage des Hotels, der Autor sagt jedoch, er habe mit den Hotelbesitzern gesprochen. Das seit 120 Jahren familiengeführte Hotel soll mit einer Welle gefälschter Buchungen zu kämpfen haben. Da es sich bei der Reservierung der israelischen Familie Berichten zufolge um die erste von außerhalb der EU handelte, vermutete die Rezeption einen weiteren Betrugsversuch.
Aufstachelung zum Hass bleibt nicht ungestraft
In einem anderen Fall hat ein Gericht gerade sein Urteil gefällt. Im September 2025 brachte ein Flensburger Ladenbesitzer in seinem Schaufenster einen Schild mit der Aufschrift an: „Juden haben Hausverbot.“ Erst nach Eintreffen der Polizei entfernte er das Schild, brachte es dann aber wieder im Laden an.
Das örtliche Landgericht verurteilte ihn nun wegen Volksverhetzung zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe sowie zur Zahlung von 1.200 Euro an die KZ-Gedenkstätte Ladelund im Kreis Nordfriesland. Nach Angaben des Gerichts hatte der Angeklagte zum Hass aufgerufen. Die Straftat wurde als geeignet angesehen, den sozialen Frieden zu stören.
Starker Anstieg antisemitischer Vorfälle
Auch wenn der Vorfall im bayerischen Hotel noch nicht abschließend geklärt ist, so steht fest: Antisemitische Straftaten haben seit dem Terroranschlag auf Israel am 7. Oktober 2023 und der Reaktion Israels in den darauffolgenden Jahren stark zugenommen und insbesondere seit Beginn des Krieges in der Golfregion zwischen den USA, Israel und dem Iran wieder zugenommen.
Im Jahr 2024 wurde ein neuer Rekordwert erreicht; Allein im ersten Halbjahr 2025 registrierten die Behörden 2.044 antisemitische Straftaten, darunter 50 Gewaltdelikte. Gesamtdaten für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor.
Auch für jüdische Gemeinden ist die Bedrohung deutlich spürbar, wie aus einer im Januar 2026 veröffentlichten Studie des Zentralrats der Juden in Deutschland hervorgeht.
Nach dem „explosiven Anstieg“ antisemitischer Vorfälle nach dem 7. Oktober habe sich eine „neue Normalität“ entwickelt, erläuterte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, die Ergebnisse der Studie. Darüber hinaus gaben 62 Prozent der befragten jüdischen Gemeinden an, dass sich ihre Sicherheitslage seit Beginn des Krieges mit dem Iran weiter verschlechtert habe. Sie fühlen sich von den Behörden nicht ausreichend unterstützt.
