„Abseitiger Schwachsinn“
Jörg Kachelmann zerlegt abstruse Hitze-Prognose
13.07.2026 – 16:15 UhrLesedauer: 4 Min.
In den sozialen Medien kursieren Wettervorhersagen für Deutschland, die extrem hohe Temperaturen ankündigen. Die Reaktion von Wetterexperte Jörg Kachelmann lässt nicht lange auf sich warten.
Während mehrere Urlaubsländer wie Frankreich und Italien bereits unter extremer Hitze leiden, gehen die Wetterprognosen für Deutschland auseinander. Ob es noch im Juli eine weitere lang anhaltende Hitzewelle geben wird, ist derzeit kaum abzusehen: Die Wettermodelle widersprechen sich teils. Dennoch kursieren seit Tagen Schreckensszenarien in den sozialen Medien. Wetter-Apps warnen vor Temperaturen von bis zu 46 Grad, einzelne Modellläufe sprechen gar von 47 Grad, die Ende Juli in Teilen Deutschlands erreicht werden könnten.
Wetterexperten wie Jörg Kachelmann sind sich einig: Diese Prognosen werden höchstwahrscheinlich nicht eintreten.
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Extreme Hitze mit 46 Grad? Ex-Politikerin teilt Prognose
Diskussionen löste kürzlich die Vorhersage einer bekannten Wetter-App aus, die unter anderem von der ehemaligen saarländischen Umweltministerin und Grünen-Politikerin Simone Peter geteilt wurde. Demnach wurden für den 26. Juli im Südwesten Deutschlands Temperaturen von 46 Grad vorausgesagt. Zum Vergleich: Der bisherige Allzeitrekord in Deutschland liegt bei 41,8 Grad und war erst Ende Juni aufgestellt worden.
Peter kommentierte dazu auf der Plattform X: „Hoffen wir, dass das so nicht kommt.“ Und tatsächlich: Wenige Tage später änderte die App ihre Prognose offenbar deutlich. Statt mehr als 40 Grad wurden nur noch 26 bis 27 Grad angezeigt. „Es hat sich glücklicherweise relativiert“, schreibt Peter – spöttische und zynische Kommentare sammeln sich seitdem unter dem Post.
Wetter-Apps zeigen Extremhitze: „Schwachsinn“
Der ehemalige ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann, Geschäftsführer des Wetterdienstes kachelmannwetter.com, bezeichnet diese Extremprognose in einem Post auf X als „abseitigen Schwachsinn“. Das Problem sei, dass manche „Wetterdienste einen einzelnen Lauf eines Modells nehmen und diesen als realistische Vorhersage verkaufen“, so Kachelmann. Auf Anfrage von t-online konkretisiert der Wetterexperte seine Kritik: „Menschen wissen nicht, dass es verschiedene Wettermodelle gibt und die nach ein paar Tagen oft völlig unterschiedliche Dinge vorhersagen“, erklärt er.
Hinter den Modellen stecken komplexe Rechnungen, die erst im Zusammenspiel eine Prognose ergeben. Auch der Diplom-Meteorologe Dominik Jung weist in seiner Kolumne für den Münchner „Merkur“ auf einen einzelnen Modelllauf des amerikanischen GFS-Modells hin, das gar 47 Grad für Teile Deutschlands berechnet hatte. „Diese Karte stammt aus einem einzigen Modelllauf, gerechnet für einen Termin in gut zwei Wochen – und so weit im Voraus sind einzelne Spitzenwerte reine Spielerei der Rechner“, kommentiert Jung dazu.
