Grüne Jugend
„Damit muss endlich Schluss sein“
24.09.2026 – 10:03 UhrLesedauer: 4 Min.

Henriette Held will als Co-Chefin der Grünen Jugend weitermachen – und erwartet von ihrer Partei mehr Kompromisslosigkeit. Sie drängt auf eine klare Kante bei Klima und sozialer Gerechtigkeit.
Die Co-Chefin der Grünen Jugend fordert von ihrer Partei nach den Landtagswahlen mehr „Mut“ und weniger „Kompromisse“. „Wir dürfen nicht mehr zurückhaltend und zögerlich sein“, sagte Held zu t-online mit Blick auf die Wahlerfolge der AfD bei jungen Wählerinnen und Wählern. Junge Menschen wählten die AfD nicht, „weil sie alle rechtsextrem sind, sondern weil es keine andere Kraft gibt, die ihren Frust und ihre Sorgen in dieser Härte adressiert“.
Held betonte: „Wenn wir das ernst nehmen, müssen alle anderen Parteien, auch die Grünen, viel stärker für eine grundlegende Veränderung einstehen und den Status quo infrage stellen.“ Held fügte hinzu, dass vor allem Vermögensungleichheit verursache, dass Menschen sich von extremen Narrativen eher abgeholt fühlten. Genau deshalb kämpfe die Grüne Jugend für ein Grunderbe, für eine Vermögenssteuer und für eine Reform der Erbschaftssteuer. „Diese extremen Unterschiede im Reichtum, der eben nicht erarbeitet ist: Damit muss endlich Schluss sein“, forderte sie.
Die 24-Jährige erwartet eine konsequentere Politik von ihrer Partei. Die Grünen hätten sich zuletzt insgesamt als Kompromisspartei präsentiert, die alle zusammenbringen wollten, sagte sie weiter. Das sei „schön und gut“. Aber: „An vielen Stellen reicht das nicht mehr.“ Gerade beim Klima sei „keine Zeit für Kompromisse“.

Held will weiter Co-Chefin der Grünen Jugend bleiben
Held ist neben Luis Bobga seit knapp einem Jahr an der Spitze der Jugendorganisation der Grünen. Am Mittwoch kündigte sie an, dass sie beim Bundeskongress im Oktober wie ihr Co-Chef Bobga noch einmal kandieren wolle. „Ich glaube, Luis und ich haben es geschafft, den Verband weiter zusammenzuführen“, begründet sie ihre Entscheidung. Es habe „Herausforderungen“ gegeben. „Jetzt stehen wir aber schon länger wieder geeint da und sind eine laute und linke Stimme im Diskurs.“
Der Grünen Jugend gehören rund 19.000 Mitglieder an, sie gilt als Kaderschmiede für das Führungspersonal von morgen. Spätere Parteichefs wie Ricarda Lang oder Felix Banaszak führten einst die Grüne Jugend an. Die Grüne Jugend hat bewegte Jahre hinter sich. Im September 2024 trat der gesamte Vorstand von allen Ämtern zurück und verließ anschließend die Partei aufgrund tiefgreifender inhaltlicher Differenzen. Es war die Zeit, in der die Grünen im Bund an der Ampelkoalition beteiligt waren.
Danach übernahmen Jette Nietzard und Jakob Blasel als neue Doppelspitze. Doch zur Ruhe kam die Organisation dadurch nicht. Nietzard dominierte das neue Führungsduo und provozierte mit einem Anti-Polizei-Pulli und kontroversen Posts im Netz. Nietzard und Blasel, die sich auch untereinander nicht besonders gut verstanden, traten im vergangenen Herbst nicht zur Wiederwahl an. Held und Bobga wurden zur neuen Doppelspitze gewählt.