Bundesweite Protestwelle

Hunderte Psychotherapeuten demonstrieren in Hamburg

13.06.2026 – 17:06 UhrLesedauer: 2 Min.

Bereits im April gingen in Hamburg hunderte Menschen gegen den Beschluss auf die Straße. (Archivbild) (Quelle: Christian Charisius/dpa/dpa-bilder)

Bundesweit wächst der Protest gegen sinkende Vergütungen in der Psychotherapie. Die Länder drängen den Bund zu einer Prüfung der Folgen für die Versorgung.

Psychotherapeuten haben erneut bundesweit gegen eine Honorarkürzung demonstriert – auch im Norden. In Kiel, Lübeck und Hamburg beteiligten sich Menschen an den Protesten, die an 13 Standorten in Deutschland stattfanden.

In Kiel versammelten sich nach Polizeiangaben rund 120 Menschen auf dem Wilhelmplatz. In Lübeck stellten sich am Holstentorplatz rund 160 Demonstrierende gegen die Kürzungen. In Hamburg wurden für einen Demonstrationszug von der Großen Bergstraße zum Heiligengeistfeld bis zu 600 Teilnehmer erwartet.

Auslöser ist ein Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses vom 11. März 2026, der die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 Prozent absenkt. Bereits im März und April hatte es in mehreren deutschen Großstädten Proteste gegen diese Entscheidung gegeben.

Gesundheitsministerin sorgt sich um Versorgung

Das Aktionsbündnis Psychotherapie fordert die Rücknahme der Kürzung, zusätzliche Kassensitze, eine mit anderen Facharztgruppen vergleichbare Vergütung sowie die Finanzierung der Weiterbildung.

Auf der Gesundheitsministerkonferenz am 10. und 11. Juni in Hannover schlossen sich alle Bundesländer dem Antrag Schleswig-Holsteins an, die Folgen der Vergütungsanpassungen zu überprüfen. Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken (CDU) erklärte: „Der Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses vom 11. März 2026 zur Kürzung der Vergütung von psychotherapeutischen Leistungen um 4,5 Prozent betrachte ich mit Blick auf die möglichen Auswirkungen auf die Versorgungssituation mit großer Sorge.“

Die Nachfrage nach psychotherapeutischen Leistungen sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, erklärte von der Decken. Daraus folge: „Bei der Vergütungssystematik muss der gestiegene Versorgungsbedarf für psychotherapeutische Leistungen angemessen berücksichtigt werden.“ Eine Reaktion des Bundes auf die Evaluierungsforderung der Länder liegt bislang nicht vor.

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