„Hinrichtungswelle“
Gouverneur lässt zwei Männer an einem Tag töten
Aktualisiert am 29.07.2026 – 08:44 UhrLesedauer: 4 Min.
Seit fast einem Jahrzehnt hat kein US-Bundesstaat zwei Hinrichtungen an einem Tag durchgeführt. Florida hat damit nun gebrochen. Gouverneur Ron DeSantis steht in der Kritik.
Der US-Bundesstaat Florida hat am Dienstag zwei Männer hingerichtet – den ersten am Nachmittag, den zweiten am frühen Abend. Wie CNN und AP berichten, ist es das erste Mal seit fast einem Jahrzehnt, dass ein US-Bundesstaat zwei Todesurteile an einem Tag vollstreckt hat. Gouverneur Ron DeSantis hatte sich dafür entschieden.
Der frühere Polizist James Aren Duckett wurde um 13.19 Uhr durch eine Giftspritze im Florida State Prison getötet. Der 68-Jährige war für die Vergewaltigung und Ermordung der elfjährigen Teresa McAbee im Jahr 1987 verurteilt worden.
Duckett verzichtete auf eine letzte Erklärung und antwortete auf die entsprechende Frage nur mit „Nein, Sir.“ Angehörige des Opfers äußerten sich nach der Vollstreckung. Dorothy Tula, die Mutter des Mädchens, sagte der Nachrichtenagentur AP: „Ich habe 40 Jahre gewartet, um ihn tot zu sehen.“
Ältester hingerichteter Gefangener in Florida
Knapp fünf Stunden später wurde Dominick Anthony Occhicone um 18.13 Uhr im selben Hinrichtungsraum für tot erklärt. Der 80-Jährige war 1986 wegen der Tötung der Eltern seiner Ex-Freundin verurteilt worden.
Er war der älteste Gefangene, der in Florida seit dem Beginn moderner Aufzeichnungen vor einem Jahrhundert hingerichtet wurde. US-weit war lediglich Walter Moody Junior älter: Der 83-Jährige wurde 2018 in Alabama hingerichtet, nachdem er 1989 Briefbombenanschläge verübt hatte, bei denen ein Bundesrichter ums Leben kam und ein Bürgerrechtler verletzt wurde.
Occhicones Anwälte hatten zuvor argumentiert, altersbedingte Erkrankungen wie Nieren- und Prostataleiden könnten die Hinrichtung besonders schmerzhaft machen und damit gegen das Verbot grausamer und ungewöhnlicher Bestrafung verstoßen.
DNA-Beweise nicht eindeutig
Auch der Verteidiger des anderen Getöteten, Duckett, hatte versucht, die Hinrichtung zu stoppen. Er beanstandete die Behandlung von DNA-Beweisen durch den Staat und betonte die Unschuld des Angeklagten. Im März hatte der Oberste Gerichtshof Floridas die Hinrichtung Ducketts zunächst ausgesetzt, um DNA-Tests an altem Beweismaterial zu ermöglichen. Die Ergebnisse waren nicht eindeutig: Sie entlasteten Duckett nicht, wiesen ihn aber auch nicht zweifelsfrei als Täter aus. Das Urteil der Geschworenen blieb daraufhin bestehen.
Am 8. Juli hob das Gericht die Aussetzung auf. Daraufhin setzte Gouverneur DeSantis für Duckett denselben Hinrichtungstermin an, der bereits für Occhicone feststand. Den letzten Einsprüchen beider Männer verweigerten der Oberste Gerichtshof der USA und der Oberste Gerichtshof Floridas die Annahme.
Organisationen kritisieren die Entscheidung von DeSantis
„Zwei Hinrichtungen an einem Tag sind äußerst selten“, sagte Robin Maher, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Organisation Death Penalty Information Center dem britischen „Guardian“. Die Entscheidung des politischen Hardliners DeSantis, die zwei Exekutionen am selben Tag durchzuführen, sei umso weniger nachvollziehbar gewesen, weil sie von Geheimhaltung begleitet worden sei. „In beiden Fällen war keine der Jurys einstimmig für das Todesurteil“, so Maher.