Fachärzte drohten daraufhin mit Konsequenzen, wie der Einführung einer 4-Tage-Woche. Die Begründung: Wenn das Geld für die Behandlung ab einer bestimmten Menge gekürzt wird, lohne es sich wirtschaftlich nicht mehr, die Praxen an fünf Tagen zu öffnen. Vor allem für gesetzlich Versicherte könnte es in der Folge deutlich schwieriger werden, zeitnah einen Facharzttermin zu bekommen.
„Dieses ganze System fördert immer mehr Bürokratie. Dabei sollte es doch unser Ziel sein, diese abzubauen“, sagt Hermes, der mit seinem Abrechnungssystem nun einen neuen Weg einschlagen will: Schnelle Termine für Patienten, weniger Bürokratie für Ärzte, was wiederum mehr Zeit für die Behandlung ermögliche.
Wie die IK die neuen Leistungen finanzieren will
Über diesem schwebt allerdings die Frage der Finanzierung. Denn wenn die Krankenkasse den Ärzten mehr Leistungen höher vergütet, steigen entsprechend die Ausgaben. Dennoch zeigt sich Hermes überzeugt, diese gegenfinanzieren zu können.
„Durch eine bessere Behandlung sinkt die Zahl der Krankenhausaufenthalte, die Zahl der verschriebenen Medikamente, Heil- und Hilfsmittel“, sagt Hermes. „Wir verkürzen den Leidensweg der Menschen und das wird sich letztlich auch bei unseren Ausgaben widerspiegeln.“
Gleichzeitig hofft der IK-Chef durch sein neues Angebot auch weitere Versicherte für seine Krankenkasse zu gewinnen. „Ich bin überzeugt davon, dass es genügend Menschen gibt, denen dieser Service etwas wert sein wird“, so Hermes.
Die Unterschiede bei den Zusatzbeiträgen animierten in der Vergangenheit nur einen Bruchteil der Versicherten zum Krankenkassenwechsel – viele blieben trotz Beitragserhöhungen ihrer Kasse treu. Ob kürzere Wartezeiten auf Facharzttermine nun zu einem Wechselargument werden, wird sich nun zeigen müssen.
Erst Bayern, dann Deutschland
Erst einmal ist das neue System nur auf Bayern beschränkt. Die Zahl der möglichen Nutznießer ist damit überschaubar. Rund 270.000 Versicherte hat die IK, die meisten davon in Norddeutschland. Für Bayern schätzt Hermes die Zahl der Versicherten auf eine fünfstellige Anzahl.
Auch die Zahl der sich beteiligenden Fachärzte ist ausbaufähig. Von den rund 7.000 Fachärzten im Freistaat beteiligen sich bislang 1.000 am neuen System, weitere sollen folgen. „Es geht derzeit darum, das System bei den Ärzten bekannt zu machen“, erklärt Hermes, der im Moment häufig in Bayern anzutreffen ist, um vor Ort zusammen mit dem Bayerischen Facharztverband das neue System möglichst vielen Ärzten vorzustellen.
Ende des Jahres erfolgt dann der Kassensturz. Hat das neue System die Erwartungen tatsächlich erfüllt? Nehmen Patienten es in Anspruch? Hat sich die medizinische Versorgung verbessert und sich das System auch als wirtschaftlich erwiesen? Fallen die Antworten auf diese Fragen positiv aus, will die IK ihr „Facharzt privat“ im kommenden Jahr in ganz Deutschland ausrollen.
