Auf dem Oktoberfest tummeln sich mehr und mehr Möchtegern-Promis und Influencer mit gesponsertem Dirndl und laufender Kamera. Eine Münchnerin hat genug davon.
Eigentlich ist die Wiesn ein Fest für alle. Für Familien, für junge Leute, für Alteingesessene, für Freunde, für Kinder. Und selbstverständlich auch für Menschen von außerhalb. Genau das gehört zur Wiesn. Sie lebt davon, dass Menschen aus der ganzen Welt nach München kommen.
Aber immer mehr Besuchern geht es inzwischen gar nicht mehr darum, die Wiesn zu erleben. Es geht darum, auf der Wiesn gesehen zu werden.
Denn die Wiesn wird zunehmend zur Kulisse. Zum Hintergrund für Instagram-Bilder, TikTok-Videos und irgendwelche taschenfüllenden Kooperationen. Da reisen Influencer aus Hamburg, Köln oder Berlin an, bekommen von den Trachtenlabels die teuersten Dirndl und Lederhosen gestellt und ziehen damit über das Festgelände. Hauptsache, das Outfit sitzt. Hauptsache, die Kamera läuft. Teilweise kosten solche Trachten 700, 800 oder sogar 1.000 Euro. Münchner, die tatsächlich hier leben und hier aufgewachsen sind, müssen sich das erst einmal leisten können.
Sind Sie ein „Normalo“? Dann warten Sie bitte draußen
Noch problematischer wird es, wenn gleichzeitig immer mehr Plätze und Abende für exklusive Influencer-Veranstaltungen und Marken-Events genutzt werden. Der „Normalo“ muss draußen bleiben. Da fragt man sich dann schon: Für wen ist die Wiesn eigentlich noch da?
Natürlich soll ein Hamburger auf die Wiesn gehen. Natürlich darf ein Influencer aus Berlin Spaß haben. Und natürlich darf sich jeder ein Dirndl anziehen, der Lust darauf hat. Aber bei manchen hat man inzwischen das Gefühl, dass von der eigentlichen Tradition nur noch die Verpackung übrig bleibt. Da wird das Dirndl zum Stylingobjekt, die Maß zum Accessoire und das Festzelt zur Fotokulisse. Alles nur, um die eigene Person und Produkte optimal zu vermarkten.

Und manchmal merkt man sogar sprachlich, wie wenig Interesse tatsächlich dahintersteckt. Dann heißt es in Instagram-Storys plötzlich „der Dirndl“ oder „auf den Wiesen“. Kleinigkeiten? Nein, für Einheimische sicher nicht. Denn genau daran merkt man ganz gut, ob jemand wirklich verstehen will, was da gefeiert wird, oder eben nicht.
Es geht nicht darum, Dialekt zu sprechen oder jede Tradition perfekt zu kennen. Aber ein bisschen Respekt vor dem Fest wäre schon schön. Denn die Wiesn ist mehr als ein rotes Herzchen auf Instagram. Mehr als ein gesponsertes Outfit. Sie ist ein Stück Münchner Kultur.
Die Wiesn-Chefs setzen ein Zeichen – doch das reicht noch nicht
Und genau deshalb ist es richtig, dass die Stadt inzwischen deutlich genauer hinschaut. Wer auf der Wiesn kommerziellen Social-Media-Content produziert, braucht unter bestimmten Voraussetzungen eine kostenpflichtige Genehmigung. Dazu zählen etwa bezahlte Kooperationen, Produktplatzierungen, Affiliate-Marketing oder monetarisierte Inhalte. Auch Livestreams sind auf dem Festgelände grundsätzlich untersagt.