Depression und Hitzestress
Diese Medikamente haben bei Hitze einen überraschenden Effekt
31.07.2026 – 13:49 UhrLesedauer: 3 Min.
Depressionen können die körpereigene Kühlung bei Hitze beeinträchtigen. Doch bestimmte Antidepressiva gleichen diesen Effekt möglicherweise aus, wie eine Studie zeigt.
Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen zählen zu den Risikogruppen bei großer Hitze. Manche Psychopharmaka können zudem die Wärmeregulation beeinträchtigen – auch Mittel gegen Depressionen stehen unter diesem Verdacht. Eine neue US-Studie zeichnet nun ein differenzierteres Bild und legt nahe, dass ausgerechnet eine bestimmte Gruppe häufig eingesetzter Antidepressiva einen gegenteiligen Effekt haben könnte – jedenfalls bei Frauen. Nachzulesen sind die Ergebnisse im Fachmagazin „Journal of Applied Physiology“.
So kühlt sich der Körper
Um nicht zu überhitzen, besitzt der Körper vor allem zwei Mechanismen: Er produziert Schweiß, um über dessen Verdunstung die Haut zu kühlen, und erweitert die Blutgefäße der Haut. Dadurch gelangt mehr warmes Blut aus dem Körperinneren an die Oberfläche und Wärme kann an die Umgebung abgegeben werden.
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Bei Menschen mit Depressionen können diese Mechanismen offenbar gestört sein. Frühere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Betroffene eine höhere Körperkerntemperatur und geringere tageszeitliche Schwankungen der Körpertemperatur aufweisen können. Auch die Erweiterung der Blutgefäße kann beeinträchtigt sein. Hinzu kommt, dass die gegen die Depression eingenommenen Mittel die Wärmeregulation beeinflussen können.
Forscher der Pennsylvania State University wollten daher untersuchen, wie sich verschiedene Antidepressiva auf die Reaktion des Körpers bei Hitzestress auswirken.
So wurde die Hitzebelastung getestet
An der Studie nahmen 64 Frauen zwischen 18 und 36 Jahren teil. In einer Testgruppe hatten die Teilnehmerinnen keine Depressionen, in einer Gruppe lagen unbehandelte Depressionen vor und in einer weiteren nahmen die Teilnehmerinnen gegen ihre Depressionen Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) ein.
Die Teilnehmerinnen trugen einen speziellen Anzug mit Schläuchen, durch den zunächst 33 Grad, anschließend 52 Grad warmes Wasser geleitet wurde. Eine zuvor geschluckte Messkapsel erfasste fortlaufend die Körperkerntemperatur. Der Versuch endete, sobald die Temperatur um ein Grad Celsius gestiegen war – im Durchschnitt nach rund 45 Minuten.
Währenddessen maßen die Forscher unter anderem die Hautdurchblutung, die Schweißproduktion, die Herzfrequenz und den Blutdruck.
Unbehandelte Depression verzögerte die Kühlung
Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede: Frauen mit unbehandelter Depression begannen erst bei einem stärkeren Anstieg der Körpertemperatur zu schwitzen. Auch die verstärkte Hautdurchblutung setzte später ein. Zudem war die Erweiterung der Blutgefäße während der Erwärmung schwächer als bei Frauen ohne Depression. Die insgesamt produzierte Schweißmenge unterschied sich dagegen nicht signifikant zwischen den Gruppen.
Eine mögliche Erklärung dafür sehen die Forscher im Serotoninsystem. Der Botenstoff Serotonin spielt nicht nur bei Depressionen eine wichtige Rolle. Auch die Signalwege, mit denen der Körper auf Wärme reagiert und seine Kühlmechanismen aktiviert, sind auf das sogenannte serotonerge System angewiesen. Veränderungen dieses Systems bei einer Depression könnten daher auch die Temperaturregulation beeinträchtigen.
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