Mysteriöser Kältefleck
Die Erde wird heißer – nur der „Cold Blob“ wird kälter
16.06.2026 – 11:01 UhrLesedauer: 2 Min.
Südlich von Grönland beobachten Forscher seit Jahrzehnten eine rätselhafte Entwicklung. Die möglichen Folgen reichen weit über den Atlantik hinaus.
Forscher haben neue Hinweise darauf gefunden, dass sich eine zentrale Meeresströmung im Atlantik abschwächt. Im Fokus steht eine ungewöhnlich kalte Wasserregion südlich von Grönland und Island, der sogenannte „Cold Blob“. Während sich die Weltmeere insgesamt erwärmen, sind die Temperaturen dort über viele Jahrzehnte gesunken.
Die Wissenschaftler sehen darin einen sogenannten Fingerabdruck der Atlantischen Umwälzströmung, kurz AMOC. Zu diesem Strömungssystem gehört auch der Golfstrom. Es transportiert warmes Wasser aus den Tropen in Richtung Norden und beeinflusst das Klima in Europa, Nordamerika und anderen Regionen der Erde.
Die neuen Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich das gewaltige Strömungssystem bereits deutlich verändert haben könnte.
Kalter Fleck trotz globaler Erwärmung
Lange war umstritten, wodurch dieses Phänomen entsteht. Die neue Untersuchung kombiniert Messdaten aus dem Ozean mit hochauflösenden Klimamodellen. Nach Angaben der Forscher spricht vieles dafür, dass die Abschwächung der AMOC die wahrscheinlichste Ursache ist. Dadurch gelangt weniger warmes Wasser in die Region.
Die Wissenschaftler fanden zudem Hinweise darauf, dass der Ozean dort nicht nur kälter, sondern auch weniger salzig geworden ist. Auch das passt zu einer langsameren Umwälzströmung.
Warum die Strömung so wichtig ist
Die AMOC funktioniert vereinfacht wie ein riesiges Förderband im Atlantik. Warmes Oberflächenwasser strömt nach Norden, kühlt dort ab, sinkt in größere Tiefen und fließt anschließend wieder nach Süden zurück. Dieser Kreislauf verteilt Wärme rund um den Globus und trägt wesentlich zum vergleichsweise milden Klima in Teilen Europas bei.
Viele Studien deuten darauf hin, dass sich dieses System bereits abgeschwächt hat. Nach Einschätzung einiger Forscher könnte die Atlantische Umwälzströmung heute so schwach sein wie seit mindestens 1.000 Jahren nicht mehr.
Welche Folgen möglich wären
Eine schwächere Atlantikströmung könnte verschiedene Auswirkungen auf das Klima haben. Wissenschaftler nennen unter anderem Veränderungen von Niederschlagsmustern, einen steigenden Meeresspiegel an Teilen der nordamerikanischen Ostküste sowie Auswirkungen auf Wetter- und Klimasysteme in Europa und Afrika.
Ob und wann die Strömung einen kritischen Punkt erreichen könnte, ist jedoch unklar. Einige Forscher warnen vor möglichen Kipppunkten, andere betonen die großen Unsicherheiten bei solchen Vorhersagen.









