Ja, der Bundestrainer muss aufwachen
Ja, Neuer zeigt mit 40 Jahren nicht mehr die Konstanz aus früheren Tagen. Aber in Madrid hat er bewiesen, dass er in den wichtigen Spielen immer noch den Unterschied macht. Paraden auf der Linie, spektakuläre Reflexe, Souveränität in Eins-gegen-eins-Duellen und Libero-Qualitäten, die Torchancen verhindern, bevor sie überhaupt entstehen: Kein anderer Torwart auf der Welt hat ein derart komplettes Spiel.
Natürlich ist es deshalb gerechtfertigt, dass nun erneut über Neuers Rückkehr in die Nationalmannschaft diskutiert wird. Der vermutlich beste Torwart aller Zeiten dreht noch einmal die Zeit zurück, soll aber keine Rolle in den Überlegungen des Bundestrainers spielen? Das wäre absurd.
Oliver Baumann und seine guten Leistungen in allen Ehren, aber der Hoffenheim-Torhüter hat auf dem internationalen Parkett nicht ansatzweise Neuers Erfahrung. Während Superstar Kylian Mbappé angesichts von Neuers Leistung am Dienstagabend einmal mehr die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben stand, kennt er vermutlich nicht einmal Baumanns Namen. Warum auch? Neuer hat allein in dieser Saison mehr Spiele in der Champions League bestritten (acht) als Baumann in seiner ganzen Karriere (sechs). Neuer hat 33 Titel gewonnen, Baumann keinen einzigen.
Wie soll angesichts dieser Statistiken bitte keine Diskussion um eine DFB-Rückkehr aufkommen? Zumal sich Neuer überhaupt nur bitten lässt, weil sein persönliches Verhältnis zu Bundestrainer Julian Nagelsmann zerrüttet ist, nachdem dieser zu seiner Zeit als Bayern-Coach den Torwarttrainer und Neuer-Vertrauten Toni Tapalović gefeuert hatte. Für Nagelsmann wird es Zeit, das Verhältnis zu reparieren, dann würde Neuer allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz auch zurückkehren. Der Bundestrainer muss endlich aufwachen, der Rest der Weltöffentlichkeit ist es schon – und das zu Recht.
