Laut einer Erklärung des ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz vom Montag hat Deutschland erstmals mit der Lieferung von Gas in die Ukraine über das LNG-Terminal auf der größten deutschen Insel Rüge begonnen.
Das als „Deutsche Ostsee“ bezeichnete Terminal verdampft das von Tankern angelieferte Flüssigerdgas, einschließlich Lieferungen aus den USA, erneut, bevor es in das deutsche Pipelinenetz für den Transport durch Europa eingespeist wird.
Dieses LNG-Terminal hat seine Aktivitäten während der Winterheizsaison erheblich ausgeweitet.
Deutschland beliefert die Ukraine
Auch die Deutsche ReGas, der deutsche Betreiber des LNG-Terminals auf der Insel Rügen, bestätigte die Nachricht.
„Wir sind besonders stolz (…), einen direkten Beitrag zur Energiesicherheit der Ukraine zu leisten“, sagte Ingo Wagner, Vorstandsvorsitzender der Deutschen ReGas.
Das Unternehmen betonte, dass die Anlage auf Rügen das einzige privat finanzierte und betriebene LNG-Terminal in Deutschland sei, das die Ukraine beliefere.
Die Lieferungen werden über Polen geleitet und sollen in naher Zukunft dazu beitragen, den Energiebedarf der Ukraine zu decken, erklärte die Deutsche ReGas.
CEO Wagner bezeichnete die Lieferungen als Beleg für die „strategische Bedeutung“ des Terminals für Mittel- und Osteuropa.
Der Vorstandsvorsitzende von Naftogaz, Sergiy Koretskyj, fügte hinzu, dass die Winternachfrage der Ukraine durch den Krieg gestiegen sei.
„Dieser Winter war aufgrund der ständigen Angriffe auf die Gasinfrastruktur und der extremen Kälte der schwierigste seit Kriegsbeginn“, erklärte Koretskyj.
Das Energiesystem der Ukraine wurde wiederholt angegriffen, seit Russland seine groß angelegte Invasion startete, wobei Kiew auch Angriffe auf andere kritische Infrastrukturen meldete.
„Diese neue Partnerschaft eröffnet der Ukraine für das laufende Jahr eine neue zuverlässige Importroute, und diese Vereinbarung ist nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer langfristigen Partnerschaft“, sagte Koretskyj und fügte hinzu, dass Naftogaz daran arbeite, Lieferquellen und -routen zu diversifizieren, um stabile Lieferungen sicherzustellen.
Deutschlands LNG-Ausbau
Inzwischen sind in Deutschland fünf LNG-Terminals an der Nord- und Ostseeküste in Betrieb.
Zwei schwimmende Terminals verkehren in der Nähe von Wilhelmshaven, weitere befinden sich in der Nähe von Brunsbüttel, Lubmin und im Hafen Mukran auf der Insel Rügen.
An diesen Standorten wird das Flüssigerdgas per Tanker angeliefert und vor Ort regasifiziert, bevor es über die Terminals weitergeleitet wird.
Nach Ansicht von Experten der Gas- und Wasserstoffindustrie ist dies eine Möglichkeit zur Versorgungssicherung, da LNG-Flüssiggas unabhängig von der bestehenden Pipeline-Struktur nach Deutschland transportiert werden kann.
Deutschland ist – wie der Rest Europas – auf der Suche nach alternativen Energiequellen, seit die russischen Gasimporte vor mehr als vier Jahren nach der umfassenden Invasion Moskaus in der Ukraine gestoppt wurden.
Der Import von Flüssigerdgas (LNG) erwies sich schnell als wichtige Notlösung für die Versorgungssicherung, insbesondere während der Heizperiode im Winter.
Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums entfielen im vergangenen Jahr 96 % der deutschen LNG-Importe auf die USA.
Einige Experten sehen die Verschiebung kritisch und warnen davor, dass Europa möglicherweise eine Abhängigkeit gegen eine andere getauscht hat, nachdem es erst kürzlich seine Abhängigkeit von russischem Gas reduziert hat.
Daten der Bundesnetzagentur zeigen, dass das über LNG-Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran gelieferte Gas im Jahr 2025 10,3 % der gesamten deutschen Gasimporte ausmachte.
Der Großteil des deutschen Erdgases kommt immer noch per Pipeline aus Norwegen, aber auch die Niederlande und Belgien liefern erhebliche Mengen.
Die Erdgasimporte über das LNG-Terminal auf der Insel Rügen sind zuletzt stark gestiegen.
Anfang Februar berichtete die Deutsche ReGas, dass der Energieterminal in Mukran in den letzten drei Monaten die größte Gasmenge aller schwimmenden LNG-Terminals in Europa regasifiziert habe.









